Breast Care Nurse: Zwei Hände halten sich vor einem Baum
Brustkrebs
Betroffenenbericht

«Bei uns haben auch Humor und Leichtigkeit Platz»

Breast Care Nurse Caroline Elsaesser

Caroline Elsaesser
Breast Care Nurse NDS
Brustzentrum Bern
Lindenhofgruppe

Im Dezember 2019 erhielt die damals 28-jährige Caroline Schmutz die Diagnose Brustkrebs. Von Beginn an konnte sie auf die Unterstützung von Caroline Elsaesser zählen und sich mit ihren Sorgen und Wünschen an sie wenden. C. Elsaesser ist Breast Care Nurse NDS und diplomierte Pflegefachfrau mit Spezialgebiet Onkologie am Brustzentrum Bern der Lindenhofgruppe.

Wie geht es Ihnen, Frau Schmutz?

Caroline Schmutz: Super! Ich war soeben in der Kontrolle und es sieht alles sehr gut aus. Ich bin zuversichtlich.

 

Sie haben einen langen Behandlungsweg hinter sich und gelten jetzt als krebsfrei. Wie haben Sie die Zeit von der Diagnose bis zum Therapieabschluss erlebt?

Caroline Schmutz: Ich hatte stets volles Vertrauen in meine Ärztinnen und Ärzte und war überzeugt, dass alles gut kommen wird. Diese Sicherheit und meine positive Einstellung haben mir geholfen, auch schwierige Phasen zu überstehen.

Caroline Elsaesser: Ich habe Frau Schmutz im onkologischen Ambulatorium während der Chemotherapie am Lindenhofspital kennengelernt und sie später in meiner Rolle als Breast Care Nurse begleitet.

 

Haben Sie Frau Schmutz auch bei der Entscheidung hinsichtlich ihrer Behandlung beraten?

Caroline Elsaesser: Wir arbeiten interdisziplinär mit den Spezialistinnen und Spezialisten zusammen. Dabei besprechen und erklären wir der Patientin den vorgeschlagenen Behandlungsweg. Die Entscheidung liegt am Ende aber bei ihr.

Caroline Schmutz: Ich habe mich auf die Empfehlungen meiner Onkologin verlassen und meine Entscheidungen jeweils mit meiner Familie und meinem Partner diskutiert. Dazu gehörte auch, dass ich mir vor der Chemotherapie Eizellen entnehmen und einfrieren liess. Der Entscheid zur Mastektomie ist ein logischer Schritt bei einem genetisch bedingten Brustkrebs. Obwohl es medizinisch nicht zwingend notwendig war, wollte ich zu meiner Sicherheit die betroffene Brust zusätzlich bestrahlen lassen.

Breast Care Nurse: Die zwei Carolines

Caroline Elsaesser, Breast Care Nurse Brustzentrum Bern & Caroline Schmutz, Brustkrebsbetroffene

Wie sieht die Begleitung einer Breast Care Nurse konkret aus?

Caroline Elsaesser: Das Wichtigste ist, dass ich für die Patientinnen da bin und sie wissen, dass sie mich jederzeit, auch nach Abschluss der Therapien, kontaktieren dürfen. Brustkrebs verändert auch das Körperbild. Eine Operation ist vielfach ein tiefer Einschnitt in das Leben der Betroffenen und bringt psychosoziale Herausforderungen und Ängste mit sich.

Caroline Schmutz: Nach der dritten Operation ging es mir psychisch gar nicht gut und ich war froh, dass Frau Elsaesser für mich da war. Ich habe zwar die volle Unterstützung von meiner Familie, meinem Partner, Freundinnen und Freunden, aber es hilft, mit Aussenstehenden zu sprechen. Mein Umfeld war schliesslich auch betroffen.

 

Wie wichtig ist eine individuelle Betreuung der Brustkrebspatientin?

Caroline Elsaesser: Eine individuelle Betreuung trägt massgeblich zum Behandlungserfolg bei und ist deshalb ein zentraler Aspekt. Die Patientin kennt sich selbst am besten und entscheidet, auf Basis unserer Empfehlungen, was sie braucht und was sie sich wünscht.

Caroline Schmutz: Ich habe diese individuelle Betreuung sehr geschätzt. Sie hat meine Selbstbefähigung gestärkt und mir Sicherheit vermittelt. Ich konnte mich voll auf meine Ärztinnen und Ärzte sowie auf deren Empfehlungen verlassen und habe zugleich meine eigenen Wünsche und Anliegen eingebracht. Dank diesem starken Miteinander habe ich mich immer sehr gut aufgehoben gefühlt.

Caroline Elsaesser: Individuell ist auch der Umgang mit der Krankheit. Manche Patientinnen möchten sie verdrängen, andere haben schwarzen Humor, wieder andere sind eher ängstlich. Wir spüren das und gehen entsprechend darauf ein.

Caroline Schmutz: Ich gehöre zur Kategorie mit dem schwarzen Humor und war froh, dass wir während der Therapie auch lachen und Sprüche klopfen konnten.

Das Wichtigste ist, dass ich für die Patientinnen da bin und sie wissen, dass sie mich jederzeit, auch nach Abschluss der Therapien, kontaktieren dürfen.

Caroline Elsässer

Ich stelle mir vor, dass dieser «Wohlfühlfaktor» einen grossen Beitrag zum Therapieerfolg leistet.

Caroline Elsaesser: Davon bin ich überzeugt! Bei uns haben auch Humor und Leichtigkeit Platz. Wir sind ein kleines Team und schauen, dass immer dieselbe Bezugsperson für die jeweilige Patientin da ist, damit wir den Weg gemeinsam mit ihr gehen können.

Caroline Schmutz: Ich hatte grosse Angst vor der Chemotherapie mit all ihren Nebenwirkungen. Glücklicherweise ging es mir immer gut und ich bin überzeugt, dass die positive Umgebung einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat.

 

Zum Schluss: Welche Botschaft haben Sie für andere Betroffene?

Caroline Schmutz: Ich wünsche mir, dass offener über Krebs gesprochen wird. In meiner Familie wurde zum Beispiel nie thematisiert, dass mehrere Frauen das Brustkrebsgen haben. Wäre ich informiert gewesen, hätte ich viel früher zu einer Biopsie der vermeintlich harmlosen Zyste gedrängt und die Diagnose wäre ein halbes Jahr früher gestellt worden. Eine offene Kommunikation hilft sowohl den Betroffenen wie auch dem Umfeld!

Journalistin: Anna Birkenmeier