Brustkrebs Genexpressionstest Elena auf einer Wanderung
Brustkrebs
Betroffenenbericht

Mehr Sicherheit bei einer schwierigen Entscheidung

Brustkrebs Genexpressionstest Expertin Dr. Cornelia Leo

Prof. Dr. med Cornelia Leo
Leiterin Interdisziplinäres Brustzentrum
Kantonsspital Baden

Die Chemotherapie kann sehr belastend sein. Doch beim Brustkrebs kann ein Genexpressionstest heute zuverlässig bestimmen, ob eine Chemotherapie nötig ist oder eine alleinige antihormonelle Therapie ebenso erfolgreich ist. Elena ist Brustkrebsbetroffene und hat uns gemeinsam mit ihrer behandelnden Ärztin, Prof. Leo vom Kantonsspital Baden, von ihrer Erfahrung erzählt.

Elena, wie kam es zur Diagnose und wie haben Sie zuerst reagiert?

Elena: Eines Sonntags Morgen entdeckte ich beim Abtasten der rechten Brust zwei Knoten. Ich war perplex und es beschäftigte mich den ganzen Tag. Schon am nächsten Nachmittag sass ich beim Gynäkologen und er veranlasste den verdächtigen Befund abzuklären. Beim Röntgeninstitut bewahrheitete sich meine Befürchtung, dass es sich um Brustkrebs handelte. Zurück beim Gynäkologen überwies mich dieser auf meinen Wunsch ans Kantonsspital Baden. So landete ich also innert kürzester Zeit bei Frau Prof. Leo.

Meine erste Reaktion war ein Gefühl, dass mich das alles gar nicht betreffen konnte. Denn ich lebte gesund, rauchte nicht, trank nicht, hatte auch kein Übergewicht und bewegte mich. Und nun sass ich den zwei Damen vom Brustzentrum des Kantonsspitals gegenüber, die mir bestätigten, dass es hier um keine leichte Angelegenheit ging.

 

Was wurde ihnen als nächstes vorgeschlagen?

Elena: Vor dem Therapieentscheid brauchte es zunächst weitere Abklärungen, wie verschiedene MRI- und Röntgenaufnahmen. Frau Prof. Leo wird das noch präzisieren. Es stand allerdings schnell fest, dass aufgrund der Grösse der Knoten die rechte Brust entfernt werden musste. Es handelte sich um einen hormonabhängigen Krebs. Ich setzte mir zum Ziel, alles so schnell wie möglich hinter mich zu bringen: Amputation und Rekonstruktion mit Eigengewebe. Die Fragen zum weiteren Vorgehen, ob Chemo- oder Strahlentherapie, gingen mir sehr nahe. Als nächstes stand deshalb der Oncotype DX® Test, ein Genexpressionstest, im Raum.

 

Hatten Sie Angst vor einer möglichen Chemotherapie?

Elena: Ja, sicher. Eine alleinige Hormontherapie wäre mir natürlich lieber, denn eine Chemotherapie führt zu vielen Einschränkungen im Lebens- und Berufsalltag. Deshalb wurde der Genexpressionstest durchgeführt. Das Warten auf das Ergebnis war eine schlimme Zeit. Als mir Frau Prof. Leo das positive Resultat mitteilte, dass keine Chemotherapie erforderlich war, wäre ich ihr am liebsten um den Hals gefallen.

Als mir Frau Prof. Leo das positive Resultat mitteilte, dass keine Chemotherapie erforderlich war, wäre ich ihr am liebsten um den Hals gefallen.

Elena

Wie war der Verlauf für Sie, Prof. Leo, als die behandelnde Ärztin?

Prof. Leo: Ich erinnere mich noch gut an die erste Konsultation mit Elena. Am Anfang wurde eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen. Das ist immer der erste Schritt, wenn aufgrund der bildgebenden Verfahren ein Krebsverdacht besteht. Manchmal braucht es dann noch zusätzliche Abklärungen. Mit der Biopsie können verschiedene Details zum Brustkrebs geklärt werden. Das ist sehr wichtig, denn es gibt verschiedene Subtypen, die dann auch unterschiedlich zu behandeln sind. So kann eine optimale Therapie erfolgen.

 

Die ersten Behandlungsschritte hat Elena bereits beschrieben.

Prof. Leo: Genau. Doch nach den operativen Eingriffen und nach den Ergebnissen der Gewebeuntersuchung war nicht klar, ob eine Chemotherapie erforderlich war, oder eine Antihormonbehandlung reichen würde. Aufgrund des Krebserkrankungsstadiums und der Tumormerkmale, die uns die Pathologen mitteilen, kann diese Frage oft eindeutig entschieden werden. Elena befand sich jedoch in einem Graubereich. Darum musste ein zusätzlicher Test die Entscheidungsgrundlage bringen. Denn eine belastende und vor allem nutzlose Übertherapie sollte unter allen Umständen vermieden werden. Auch das Gegenteil, dass heisst eine nützliche Behandlung zu unterlassen, darf natürlich nicht passieren. An dieser Stelle ist der Genexpressionstest Oncotype DX® sehr hilfreich. Es gibt auch andere Tests, die Ähnliches untersuchen und die verwendet werden könnten.

Brustkrebs Genexpressionstest Elena auf einer Wanderung

Elena auf einer Wanderung

Was untersucht der Genexpressionstest?

Prof. Leo: Der Test untersucht die Aktivität von bestimmten Genen im Krebsgewebe. Die Analyse dieser Gene führt zu einem Score, mit dem entschieden werden kann, in welche Richtung die Behandlung geht: Chemotherapie ja oder nein. Der Oncotype DX® Test wurde in grossen klinischen Studien mit umfangreichen Auswertungen validiert. Sie haben gezeigt, dass bis zu einem bestimmten Testergebnis zuverlässig auf eine Chemotherapie verzichtet werden kann, ohne die Behandlungsprognose zu schmälern. Genexpressionstests werden heute, wenn erforderlich, routinemässig in den Brustzentren eingesetzt.

 

Elena, möchten Sie noch etwas ergänzen?

Elena: Für mich fühlte sich die Amputation der Brust als Verlust der Weiblichkeit an. Auch noch die Haare zu verlieren, wäre für mich ein weiterer, schlimmer Einschnitt in meiner Weiblichkeit gewesen. Dass ich auf eine Chemotherapie verzichten konnte und dadurch von den schweren Nebenwirkungen und dem Haarverlust verschont blieb, hat mich sehr gefreut und mich in meinem weiteren Behandlungsweg bestärkt.

Genexpressionstest versus Gentest:

Ein Genexpressionstest untersucht die Aktivität von bestimmten Genen in Zellen und Geweben. Ein Gentest untersucht das Vorhandensein von Genveränderungen (Mutationen) im Zellkern von Körper-oder Keimzellen.

Journalist: Thomas Ferber