Brustkrebs Schwangerschaft: Eine Frau spaziert mit dem Kind auf dem Arm
Brustkrebs
Forschung

Schwanger­schaft nach Brustkrebs

Brustkrebs Schwangerschaft: Expertin Olivia Pagani

Prof. Dr. med Olivia Pagani
Internationale wissenschaftliche Vorsitzende POSITIVE-Studie

Etwa jede 70ste Frau ist bei der Diagnose Brust- krebs jünger als 40. Für Patientinnen mit Kinderwunsch führt die Diagnose zu grosser Verunsicherung. Eine prospektive klinische Studie macht Mut.

Fünf bis sieben Prozent der Brustkrebspatientinnen sind junge Frauen. Für viele erfolgt die niederschmetternde Diagnose, bevor sie sich überhaupt mit der Familienplanung auseinandergesetzt haben. Anderen wiederum bleibt eventuell nicht genug Zeit, da ihre biologische Uhr tickt: «Wenn Frauen im gebärfähigen Alter an Brustkrebs erkranken, müssen sie ihren Kinderwunsch beiseitelegen. Zum einen, weil die Behandlung die Fruchtbarkeit beeinflusst, zum anderen, da sie Jahre dauert und es nach Therapieabschluss für eine Schwangerschaft zu spät sein könnte», so Prof. Olivia Pagani.

 

Studie macht Hoffnung

Die Onkologin weiss, was in den jungen Frauen vorgeht. Sie ist die internationale wissenschaftliche Vorsitzende der POSITIVE-Studie. Koordiniert wird die Studie von der International Breast Cancer Study Group (IBCSG) in Zusammenarbeit mit über 200 Onkologiezentren in 20 Ländern. POSITIVE umfasst 518 teilnehmende Patientinnen und bewertet die Sicherheit einer Unterbrechung der Hormontherapie bei jungen Frauen mit hormonsensitivem Brustkrebs, die schwanger werden möchten. «Den Studienteilnehmerinnen wird nach zwei Jahren endokriner Therapie eine Behandlungspause von bis zu zwei Jahren gewährt, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Danach wird die Behandlung wieder aufgenommen, um den Therapieverlauf von fünf bis zehn Jahren abzuschliessen», erklärt Monica Ruggeri, Programmkoordinatorin für junge Patientinnen, Internationale Brustkrebs-Studiengruppe (IBCSG). Die POSITIVE Studie liefert einen international einzigartigen Ansatz in der Betreuung von Patientinnen mit Brustkrebs. Dabei analysiert sie, ob eine Antihormontherapie zugunsten einer Schwangerschaft vorübergehend unterbrochen werden darf, ohne das Risiko eines erneuten Auftretens von Brustkrebs zu erhöhen.

In der Zwischenzeit hat die Studie jungen Patientinnen mit Kinderwunsch bewusst gemacht, dass eine Schwangerschaft nach Brustkrebs in Betracht gezogen werden kann und ihnen mehr Entscheidungsfreiheit gegeben.

Optionen aufzeigen

Für viele Brustkrebspatientinnen hat die Heilung oberste Priorität. Auch wenn eine Patientin während des Gesprächs der Meinung ist, keine Kinder haben zu wollen, kann dieser Wunsch doch irgendwann aufkommen. Deshalb sollte vor Behandlungsbeginn ein Fruchtbarkeitsgespräch mit einem Onkologen stattfinden. Für betroffene Frauen besteht die Möglichkeit einer Embrionenentnahme vor Therapieantritt. Es gibt zudem Medikamente, die während der Krebstherapie die Fruchtbarkeit aufrechterhalten. In der Schweiz werden diese Fruchtbarkeitsvorkehrungen seit ein paar Jahren von der Krankenkasse gedeckt. «Wichtig ist es, allfällige Massnahmen vor Behandlungsbeginn zu treffen, sofern sich die Patientin für die Zukunft eine Türe offenlassen möchte. Zu einem späteren Zeitpunkt können die Frauen dann immer noch entscheiden, doch keine Kinder haben zu wollen,» betont Prof. Pagani.

 

Mehr Entscheidungsfreiheit, weniger Vorurteile

Im Gesundheitswesen herrschen noch viele Vorurteile bezüglich Schwangerschaft und Brustkrebs. Jungen Patientinnen mit Brustkrebs wird häufig davon abgeraten, vor Abschluss der endokrinen Behandlung eine Schwangerschaft anzustreben. Dieser Ansatz beruht jedoch eher auf der Überzeugung der Ärzte als auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die ersten Ergebnisse der POSITIVE-Studie werden in etwa eineinhalb Jahren vorliegen. In der Zwischenzeit hat die Studie jungen Patientinnen mit Kinderwunsch bewusst gemacht, dass eine Schwangerschaft nach Brustkrebs in Betracht gezogen werden kann und ihnen mehr Entscheidungsfreiheit gegeben. «Wenn sich die wissenschaftliche Hypothese der POSITIVE-Studie bestätigt, hoffen wir, dass diese soliden Ergebnisse alle verbleibenden Zweifel an der Sicherheit einer Unterbrechung der endokrinen Therapie zur Ermöglichung einer Schwangerschaft zerstreuen» so Ruggeri.

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Hintergrund und Herausforderung der Studie

Die prospektive klinische POSITIVE-Studie konzentriert sich auf ein patientenzentriertes Thema einer vergleichsweise kleinen Patientengruppe. Durchgeführt werden konnte sie nur dank des Engagements von Patientinnen, Forschern und Wohltätigkeitsorganisationen, wobei sie für ihren Abschluss auf weitere finanzielle Unterstützung angewiesen ist. 

 

Mehr Informationen gibt es hier:

www.ibcsg.org oder direkt bei Monica Ruggeri: monica.ruggeri@ibcsg.org

 

EUROPA DONNA Schweiz - Cinzia 

Auch Cinzia wurde durch EUROPA DONNA auf die POSITIVE Studie aufmerksam und hat ihre Erfahrungen in einer berührenden Geschichte niedergeschrieben. Wie es zur Teilnahme an der Studie kam und wie ihr Herzenswunsch nach einem Kind schlussendlich in Erfüllung ging, gibt es hier zum Nachlesen www.simplythebreast.ch/portraits/cinzia

Journalistin: Catherina Bernaschina