Brustkrebs Ziele setzen: Jodie macht ein Selfie
Brustkrebs
Betroffenenbericht

Ziele setzen im Leben mit Krebs

Jodie Cole

Jodie Cole
Krebs Survivor,
Moderatorin, Autorin, 
Rednerin

Die Leute sind manchmal ganz erstaunt, wenn ich über meine Ziele und Träume spreche. Wenn ich sage, wie wichtig sie für mich sind und wie entschlossen ich bin, sie zu realisieren. Sie sehen mich an, als ob ich verrückt wäre. Wieso sollte eine Person mit Krebs Ziele haben? Oder noch besser: Sollte das einzige Ziel nicht sein, zu überleben?

Eine interessante Frage. Für mich ist «Überleben» kein wirkliches Ziel, sondern viel mehr eine Gegebenheit. Oder besser ausgedrückt: Nach meinem Verständnis setzt man sich ein Ziel und unternimmt danach Schritte, um dieses zu erreichen. In meinen Augen kann man sich nicht das Ziel setzen, zu überleben, da es bereits gegeben ist. Denn ich erwartete und verlangte es, zu überleben und ich wusste, dass ich überleben würde. Also gab es für mich keine Notwendigkeit, dieses Ziel zu definieren. Was musste ich mir alles anhören. Dabei war es für mich so, wie wenn die Sonne am Morgen aufgeht und am Abend wieder untergeht. Man hofft ja morgens nicht, dass sie aufgeht, man erwartet es einfach. Für mich war es dasselbe: Ich erwartete einfach, dass ich überleben und der Krebs verschwinden würde und ich mein Leben weiterführen könnte. Ich konnte damals nicht wissen, dass sich die Geschichte in sieben Jahren fünf Mal wiederholen würde. Dennoch hielt ich stets an meiner Einstellung fest. Und nun sitze ich hier, in einem sanft dahinschaukelnden Zug während ich diesen Artikel schreibe.

In meinen Augen kann man sich nicht das Ziel setzen, zu überleben, da es bereits gegeben ist. Denn ich erwartete und verlangte es, zu überleben und ich wusste, dass ich überleben würde.

Jodie

Aber zurück zum Thema. Ziele zu haben, war und ist für mich in vieler Hinsicht grundlegend: Für meine geistige Gesundheit, mein emotionales Gleichgewicht und meine Zukunft. Ich war schon immer zielstrebig. Ich setze mir konkrete Ziele und arbeite darauf hin, um sie zu erreichen. Als bei mir zum ersten Mal Krebs diagnostiziert wurde, war dieser bereits weit fortgeschritten. Es handelte sich um Brustkrebs, der in die Lymphknoten, die Leber, die Eierstöcke und Knochen metastasiert hatte. Die statistischen Aussichten waren nicht so rosig – aber wer mag schon Statistiken! Also glaubte ich fest daran, dass ich überleben werde und fing an mir Ziele zu setzen, die mich auf meine Zukunftswünsche konzentrierten, um mich emotional zu engagieren und meine Widerstandsfähigkeit während der Behandlungen zu stärken. Ich hielt es zudem wichtig für mein Umfeld. Es sollte sehen, dass ich eine Zukunft plante – eine Zukunft mit meinen Kindern, mit einer Karriere, mit einem Leben. Um meine Pläne festzuhalten, hätte ich auf Stift und Papier oder PowerPoint-Folien zurückgreifen können. Ich entschied mich jedoch für «Vision Boards» – auf Deutsch auch Ziel- oder Traumcollagen genannt.

Brustkrebs Ziele setzen: Jodies Vision Board

Jodies buntes Vision Board zur Verinnerlichung ihrer Ziele

Ich hatte schon vor Jahren damit begonnen, solche Vision Boards anzufertigen und ich liebe diesen Prozess immer noch. Vision Boards bezwecken, durch Illustrationen und Bilder die eigenen Intentionen für die kommenden Monate oder das Jahr bildlich darzustellen. Viele Trainer bringen ihren Spitzensportlern bei, sich selbst zu ‹visionieren›. Diesen Moment, wenn sie ihr Ziel erreichen, wenn sie auf dem Podest ihre Medaille entgegennehmen und die Freude über den Sieg in sich spüren. Vision Boards funktionieren ähnlich, mit dem Unterschied, dass sie die Ziele visuell abbilden, damit sie sich bereits als erreicht anfühlen. Während meiner Chemotherapie passte ich diese Methode an meine damaligen Bedürfnisse an. Meine Vision Boards sollten mir inspirierende Wege aufzeigen und mich durch die Reise leiten. Sie waren lebendig und farbenfroh und enthielten viele lustige und frivole Details – bunte Federn, Glitzer und Klunker inklusive! Einige Vision Boards stellten den Heilungsprozess dar, andere enthielten Fotos von Menschen, die mir beistanden. Fast alle enthielten Bilder von Engeln, die zu meinem Glaubenssystem gehören.

Meine Vision Boards hängen im Schlafzimmer und Badezimmer, sodass ich meine Ziele stets vor Augen habe.

Jodie

Meine Vision Boards hängen im Schlafzimmer und Badezimmer, sodass ich meine Ziele stets vor Augen habe. Jeden Morgen wache ich auf und betrachte diese farbenfrohen, glücklichen Bilder von Menschen, die mir helfen, und von dem, was ich in den nächsten Monaten tun werde. Ich glaube fest daran und wie ein Spitzensportler verinnerliche ich das Resultat als erreicht. Das Setzen von Zielen hat mir geholfen, in einigen dunklen Zeiten Glück und Zufriedenheit zu finden. Ich empfehle diese Methode jederzeit von Herzen weiter.

Den ersten Teil von Jodies Geschichte gibt es hier zum Nachlesen. 

Autorin: Jodie Cole