Junge Frau schwimmt im Meer
Brustkrebs
Expertenbericht

Brust­krebs: Nicht immer braucht es Chemo­therapie

Doktor Konstantin Dedes

PD Dr. med. Konstantin J. Dedes
Leiter Brustzentrum
Universitätsspital Zürich

In den vergangenen Jahren wur­de laut Privatdozent Dr. med. Konstantin Dedes vom Universi­tätsspital Zürich immer mehr ver­sucht, die Chemotherapie beim frühen Brustkrebs zu reduzie­ren. Eine grosse Hilfe dabei sind Tests zur Bestimmung der Gene, die bei Brustkrebs aktiv sind.

Keine  Chemotherapie  nötig ?

Dank intensiver und minutiöser Forschung an den Gewe­ben und Genen der vielen verschiedenen Brustkrebsfor­men gelang es immer besser diejenigen Patientinnen zu iden­tifizieren, die wirklich einen Vorteil von der Chemotherapie hatten oder jene, die nur einen geringen oder gar keinen Vor­teil aufwiesen. Das bedeutet umgekehrt auch jene Patientin­nen zu bestimmen, die von einer belastenden Chemotherapie verschont und mit sanfteren Methoden behandelt werden konnten. Identifiziert wurden diese Frauen dank der Möglich­keit, die verschiedenen Brustkrebsformen aufgrund ihrer Bio­logie zu unterteilen. Besonders sticht die Gruppe der hormon­abhängigen Brustkrebsformen hervor, die zusätzlich mit anti­hormoneller Therapie behandelt werden. Bei diesen Tumoren werden an der Zelloberfläche der Krebszellen Andockstellen ausgebildet – sogenannte Rezeptoren. Diese erlauben es den weiblichen Hormonen wie Östrogene oder Gestagene das Wachstum des Krebses zu fördern. Die Therapie mit Antihor­monen kann dies hemmen.

Brustkrebs-Gene aktiv oder nicht? Tests geben Aufschluss

In früheren Jahren wurde sehr häufig zusätzlich zu den Anti­hormonen eine Chemotherapie verabreicht. Um nun die Pa­tientinnen noch gezielter behandeln zu können, kann laut Dedes mit Tests bestimmt werden, wel­che Gene im vorliegenden Brustkrebs aktiviert sind oder nicht. Je nach Ergeb­nis wird dann bestimmt, ob nebst den Antihormonen auch noch eine Chemo­therapie erforderlich ist.
Die RxPONDER Studie wurde im Dezember 2020 mit dem Oncotype DX® Test beim berühmten San Antonio Brustkrebs Symposium vorgestellt. Dieser Test untersucht 16 verschie­dene Brustkrebs-Gene. Er ist damit eine grosse Hilfe beim Festlegen der optima­len Brustkrebstherapie: Antihormone mit oder ohne Chemotherapie. Einge­setzt wird der Test in der RxPONDER Studie bei betroffenen Frauen, die noch in einer relativ frühen Phase der Er­krankung stecken, jedoch bereits einen Befall von einem bis drei Lymphknoten in der Achsel aufweisen. Bisher galt, dass viele solcher Patientinnen auch ei­ne Chemotherapie erhalten sollten. Bei Patientinnen ohne Lymphknotenbefall in der Achsel wird heute vermehrt auf eine Chemotherapie ver­zichtet. Dabei war die Studie TAILORx hilfreich, die Vorläuferstudie von RxPONDER. Sie untersuchte mit dem gleichen Test die Aktivität der Brustkrebs-Gene bei Pati­entinnen ohne Lymphknotenbefall. Die Studie stellte fest, bei welchen Pati­entinnen bereits die Antihormone zur Behandlung ausreichten.

«Das ist ein grosser Durchbruch.»

Dr. Konstantin Dedes

Für Dr. Dedes erstaunlich war der Befund, dass in bei­den Studien die gleichen Patientinnen auf eine Chemotherapie verzichten konnten. Das bedeutet, dass jene Pati­entinnen ohne Lymphknotenbefall, de­nen eine Chemotherapie erspart blieb, auch bei einem Befall von einem bis drei Lymphknoten auf eine Chemothe­rapie hätten verzichten können. Je lang­samer die Zellteilung abläuft und je hor­monabhängiger der Krebs ist, desto eher kann auf die Chemotherapie ver­zichtet werden. Genau dies untersucht der Test.
 

Fachgremium legt Einsatz fest

Etwas weniger deutlich ist das Ergebnis bei Patientinnen vor den Wechseljahren. Hier gibt es einen minimalen Vorteil für die Chemotherapie. Doch die Fachleute sind sich nicht einig, ob der Nutzen der Chemotherapie von der Zerstörung der Krebszellen herrührt oder weil die Che­motherapie auch indirekt über die Schä­digung der Eierstockfunktion einen An­tihormoneffekt bewirkt. Der Vorteil des Testes ist gross für Patientinnen nach den Wechseljahren mit hormonabhän­gigem Brustkrebs und einem bis drei befallenen Lymphknoten der Achsel: Die Behandlung kann gezielter erfolgen und beim Wegfall der Chemotherapie fallen auch die Nebenwirkungen dieser Behandlung weg. «Das ist ein grosser Durch­bruch,» so Dr. Dedes und weiter «der Behandlungserfolg bleibt dabei ge­nau gleich gut. Die Kosten für diesen Test werden selbstverständlich von der Krankenkasse übernommen.»

Journalist:Thomas Ferber