Für alle
Forschung

Klinische Studien

Profilbild von Prof. Dr. Roger von Moos, Chefarzt Kantonsspital Graubünden

Prof. Dr. med. Roger von Moos
Chefarzt Onkologie
Kantonsspital Graubünden
Präsident SAKK

Klinische Studien helfen, neue Behandlungsmöglichkeiten zu finden und zu festigen.

Als akademisches, dezentrales Forschungsinstitut führt die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK) seit mehr als 50 Jahren Studien an allen grösseren Spitälern in der Schweiz und im Ausland durch. Dabei werden bestehende Krebsbehandlungen weiterentwickelt und verbessert und neue Therapien auf ihre Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit geprüft.

Für die weitere Entwicklung von neuen und verbesserten Krebstherapien ist der enge Austausch mit Krebserkrankten unabdingbar. Seit 2015 gibt es deshalb den SAKK Patientenrat. Die Vertreter des Patientenrats bringen die Erfahrungen und Bedürfnisse von Krebspatienten und ihren Angehörigen aktiv in die Forschungsvorhaben ein.  

Prof. Dr. med. Roger von Moos ist seit mehr als 4 Jahren Präsident der SAKK und seit vielen Jahren Chefarzt der Onkologie des Kantonsspitals Chur und behandelt in seiner Funktion täglich viele krebskranke Patienten im Rahmen von klinischen Studien. So z. B. eine Patientin, die an einem Melanom erkrankt ist.

Prof. von Moos hat seiner Patientin empfohlen, an einer klinischen Studie teilzunehmen, in der ein neues Medikament zur Behandlung von Melanomen getestet wird. Die Patientin war mit dem Einschluss in die randomisierte Studie einverstanden und hat bisher dank der neuen Medikation eine komplette Remission erreicht, leidet aber auch an verschiedenen Nebenwirkungen. Wir haben die beiden zu ihren Erfahrungen während dieser Zeit befragt und geben hier zum einen die Arzt-, als auch die Patientenperspektive wieder:

 

Im Gespräch mit Prof. von Moos

 

Prof. von Moos, was sind klinische Studien?

Als klinische Studie bezeichnet man eine Forschungsstudie mit Probanden, die dazu dient, bestimmte Fragen zu neuen Behandlungsmethoden zu untersuchen. Klinische Studien finden mit freiwilligen Teilnehmern statt und dienen dazu, Antworten auf so wichtige Fragen zu finden wie:

  • Ist ein Medikament wirksam?
  • Wirkt es besser als andere Medikamente?
  • Welche Nebenwirkungen hat es ?

So können zum Beispiel bestehende Therapien weiter verbessert werden, oder es können neue Wirkstoffe oder Behandlungen überprüft werden. Dies ist insbesondere für jene Patienten wichtig, deren Krankheit nicht genügend auf bisherige bekannte Therapien ansprechen oder für die es gar keine Behandlung gibt. Sorgfältig durchgeführte klinische Studien sind die schnellste und sicherste Methode, Behandlungen zu finden, die Menschen helfen.

 

Warum sind klinische Studien in der Onkologie so wichtig?

Gerade im Bereich der klinischen Krebsforschung ist in den letzten 10 – 20 Jahren enorm viel passiert, was zu einer deutlichen Verbesserung von Behandlungsmöglichkeiten von Tumorarten geführt hat. Die Forschung in diesem Bereich hat aber auch zu ganz neuen Behandlungsoptionen von Tumorarten beigetragen, die vorher gar nicht behandelbar waren.

Gleichzeitig trägt die klinische Forschung zur Qualitätssicherung bei, indem Prozesse klar strukturiert und regelmässige Qualitätskontrollen durchgeführt werden. An klinischen Studien beteiligtes Personal (Ärzte und Pflegepersonal) wird regelmässig kontrolliert von so genannten klinischen Monitoren, aber auch von behördlichen Institutionen (Swissmedic). Jedes Forschungsvorhaben wird zudem von der dafür zuständigen Ethikkommission geprüft und bewilligt. All diese Regulierungsmassnahmen sind wichtig, weil sie garantieren,

«dass das Wohl und die Sicherheit des Patienten zu jedem Zeitpunkt im Vordergrund stehen.»

Prof. Roger von Moos

Wie kann der Patient von der Teilnahme an einer klinischen Studie profitieren?

Die Teilnahme an klinischen Studien ermöglicht es den Patienten, Medikationen zu erhalten, die ausserhalb einer Studie gar nicht erhältlich sind. Die Teilnahme an einer Studie ist mit Chancen aber auch mit Risiken verbunden. Eine Chance liegt in der besseren Wirksamkeit, aber natürlich ist eine Studie immer auch mit dem Risiko von unerwünschten und unerwarteten Nebenwirkungen verbunden.

Auch die gesellschaftliche Dimension ist wichtig: jeder Patient, der im Rahmen einer Standardtherapie behandelt wird, profitiert letztlich davon, dass diese Medikamente ebenfalls in einer klinischen Studie von anderen Patienten getestet und dann zugelassen wurden. Nur dank klinischen Studien kann man neue Generationen von Medikamenten erwirken.

 

Wie kann man an einer klinischen Studie teilnehmen?

Grundsätzlich ist der behandelnde Arzt über die laufenden klinischen Studien informiert. Er empfiehlt nach sorgfältigen Abklärungen die Teilnahme an einer Studie. Wenn ich eine Studie vorschlage, sind viele Patienten bereit aus obigen Gründen auch mitzumachen. Andere Patienten sind kritisch. Die Entscheidung für eine Studienteilnahme ist eine sehr persönliche und erfordert vom Patienten ein Abwägen der verschiedenen Vor- und Nachteile. Viele Fragen tauchen auf und müssen mit dem Patienten eingehend besprochen werden: was bringt mir persönlich die Teilnahme an der Studie, welches Risiko ist damit verbunden und welchen Beitrag bin ich bereit für zukünftige Patienten zu leisten?


 

Was hat ein Patient im Rahmen einer klinischen Studie zu erwarten?

Die Aufklärungspflicht des Arztes gegenüber dem Patienten ist höher. Der Patient ist heutzutage viel besser informiert, fragt differenziert nach und der zeitliche Aufwand für Beratung, damit auch letzte Unklarheiten beseitigt werden, ist entsprechend grösser. Der Aufwand für die Teilnahme an einer klinischen Studie wiederum ist abhängig vom Studienprotokoll (z. B. wie die Einnahme eines Medikamentes erfolgt, wie viele Blutentnahmen zur Kontrolle der Vitalzeichen nötig sind, etc.).

Autorin: Flurina Hoffmann