Prostatakrebs
Betroffenenbericht

Topfit trotz Prostata­krebs

Max Lippuner
Prostatakrebs-Patient
Gründer und Präsident
Europa Uomo Schweiz

Trotz Prostatakrebs und Knochenmetastasen lebt Max Lippuner, Gründer und Präsident von Europa Uomo Schweiz, ein aktives, gutes Leben. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft ihm dabei.

Im Gespräch mit Max Lippuner

Herr Lippuner, wie geht es Ihnen?

Danke der Nachfrage; es geht mir sehr gut. Wenn ich nicht wüsste, dass ich mehrere Knochenmetastasen habe, würde ich mich kerngesund fühlen. Keine Schmerzen, nichts.

 

Vor 15 Jahren bekamen Sie mit knapp 57 Jahren die Diagnose Prostatakrebs. Welche Symptome wiesen damals darauf hin? 

Ich hatte keinerlei Symptome! Ich war Bergläufer, immer topfit und merkte absolut nichts vom Krebs. Der Prostatakrebs ist tückisch: Er wächst meist langsam und macht lange keine Symptome.

 

Dann gab es einen ersten Verdacht im Rahmen der Früherkennung?

Genau. Ich liess regelmässig meinen PSA Wert beim Hausarzt überprüfen und als der Wert stetig stieg, überwies mich mein Arzt zum Urologen. Hier wurde eine Biopsie gemacht und kurz darauf die Diagnose hochaggressives, grossvolumiges Prostatakarzinom Stufe 8 gestellt.

«Keine Schmerzen, nichts.»

Welche Gefühle löste die Diagnose bei Ihnen aus?

Ich wusste nicht mehr wo ich stehe, wie es weitergehen soll, meine Zukunftspläne hatten sich in Luft aufgelöst. Gleichzeitig musste ich die schwierige Entscheidung treffen, wie der weitere Behandlungsablauf aussehen soll.

 

Welche Therapieoptionen wurden Ihnen von den Ärzten empfohlen?

Die Ärzte wollten sofort operieren und bestrahlen. Allerdings mit ungewissem Ausgang und dem Risiko, dass ich impotent und möglicherweise inkontinent werden würde. Ich habe mich dann erst einmal gegen alles entschieden und ein halbes Jahr keine Behandlung gemacht.

 

Ist es bei einem hochaggressiven Prostatakarzinom denn nicht wichtig, dass sofort behandelt wird?

Da der Prostatakrebs in der Regel sehr langsam wächst, muss bei einer Erstdiagnose meist nicht sofort gehandelt werden. Bis ich eine Entscheidung fällen konnte, habe ich viel im Internet gelesen, mich mit anderen Patienten ausgetauscht und verschiedene Ärzte befragt. Ich habe mich dann gegen die Operation und für die Bestrahlung entschieden. Zusätzlich kam eine Hormonentzugstherapie zum Einsatz.

«Da der Prostatakrebs in der Regel sehr langsam wächst, muss bei einer Erstdiagnose meist nicht sofort gehandelt werden.»

Wie hat sich die Krankheit auf Ihre Beziehung ausgewirkt?

Meine Erkrankung war letztendlich der Auslöser, dass meine Ehe gescheitert ist. Wir hatten Pläne, wollten Reisen und unser Leben geniessen. Plötzlich ging vieles nicht mehr, auch in sexueller Hinsicht. Eine solche Erkrankung stellt eine Beziehung auf eine harte Probe.

 

Was raten Sie Betroffenen?

Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft und ermöglicht eine andere Sicht auf die «Dinge». Als zehn Jahre nach der Bestrahlung meine PSA Werte wieder stiegen, rieten mir andere Betroffene, aus Erfahrung, umgehend zu einem PET CT, um Metastasen auszuschliessen. Tatsächlich hatte sich die Befürchtung bewahrheitet.

 

Wie gehen Sie mit dem nun fortgeschrittenen Prostatakrebs um?

Kurz und bündig: die erste und dann die 3 weiteren Metastasen in den Knochen wurden punktgenau bestrahlt. Ich bin nun im dritten 2-Jahreszyklus und hoffe (wenn nötig) auf eine krankenkassenbezahlte PSMA Therapie. Diese hat kaum Nebenwirkungen und kann wiederholt werden. Ich bin sehr zuversichtlich.

 

«Auch mit Metastasen ist ein gutes Leben noch lange nicht vorbei.»

Autorin: Anna Birkenmeier