Tumorschmerzen gezielte Schmerztherapie: Katrin Meyer & Joachim Dias, LUKS
Für alle
Expertenbericht

Autonomie und Lebens­qualität dank gezielter Schmerz­therapie

Mit einer wirksamen Schmerztherapie kann die Lebensqualität der Betroffenen gefördert und damit auch die Krebstherapie unterstützt werden. Wir sprechen darüber mit Dr. Katrin Meyer, Spezialistin für Schmerztherapie am Kantonsspital Luzern.

Frau Meyer, wie werden Tumorschmerzen behandelt?

Meyer: Grundsätzlich richten wir uns nach dem sogenannten WHO-Stufenschema, bei dem die Schmerzbehandlung mit nicht-opioidhaltigen Medika- menten, gefolgt von schwach- und dann stark-wirksamen Opioiden (morphinähnlichen Substanzen) empfohlen wird. Mittlerweile gibt es noch die vierte, interventionelle Stufe, wozu etwa Katheterverfahren zählen. Ausserdem behandeln wir parallel zu allen Stufen mit schmerzmodulierenden Medikamenten, wie z.B mit Medikamenten gegen Nervenschmerzen, hierzu zählen Antidepressiva und Antiepileptika.

 

Sie haben die vierte Stufe mit dem Katheterverfahren erwähnt. Wann kommt dieses zum Einsatz?

Meyer: Ist die Schmerzreduktion trotz hoher Dosierung starker Schmerzmedikamente ungenügend oder überwiegen die Nebenwirkungen, kann die intra- thekale Gabe von Medikamenten helfen. Dabei wird mit einem dünnen Schlauch (Katheter) das Medikament direkt ans Rückenmark verabreicht. Mit einem Dosiergerät kann kontinuierlich Wirkstoff gezielt an die relevanten schmerzverarbeitenden Strukturen abgegeben werden.

Tumorschmerzen gezielte Schmerztherapie: Katrin Meyer & Joachim Dias, LUKS

Team Schmerztherapie Co-Leitung: Joachim Dias und Katrin Meyer, Luzerner Kantonsspital

Welches sind die Vorteile dieser gezielten Schmerztherapie?

Meyer: Damit kann, gegenüber einer oralen Gabe, von z.B. Morphin, mit bis zu 300 Mal weniger Wirkstoff therapiert werden, was eine bessere Wirksamkeit und weniger Nebenwirkungen zur Folge hat. Die Patient*innen können dadurch oft länger in ihrem häuslichen Umfeld bleiben. Häufig kann die Autonomie vergrössert und die Lebensqualität verbessert werden.

Allerdings eignet sich das Verfahren nicht für alle Tumorschmerzen, es ist hauptsächlich für Patient*innen mit lokalisierten Schmerzen geeignet.

 

Kann eine ungenügende Schmerztherapie den Tumorverlauf beeinflussen?

Meyer: Ja. Schmerzen und Stress haben einen negativen Einfluss auf das Immunsystem, was sich wiederum, nebst anderen Faktoren, auf den Tumorverlauf auswirken kann. Klinische Daten deuten darauf hin, dass eine wirksame Schmerzbehandlung das Wachstum und die Metastasierung des Krebses verlangsamen kann.

Journalistin: Anna Birkenmeier