Pankreaskarzinom Bauchspeicheldrüsenkrebs Behandlung
Bauchspeicheldrüsenkrebs
Therapien

Zur Behandlung von Bauch­speichel­drüsen­krebs spezialisierte Zentren aufsuchen

Ob Operation, Chemotherapie oder neue Wirkstoffe – bei Bauchspeicheldrüsenkrebs macht die Kombination aus modernen Therapien und spezialisierten Zentren den Unterschied. Zwei Experten des Kantonsspitals Aarau geben Einblick in die heutige Behandlung und erklären, worauf es wirklich ankommt.

Dr. Limani, welche Aufgabe hat die Bauchspeicheldrüse im Körper?

PD Dr. Përparim Limani: Zum einen produziert sie Verdauungsenzyme, die für die Aufspaltung von Fetten, Eiweissen und Kohlenhydraten notwendig sind. Zum anderen setzt sie das Hormon Insulin frei, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Beide Funktionen stehen miteinander in enger Wechselwirkung.

 

Dr. Kron, wie entsteht das Pankreaskarzinom?

PD Dr. Philipp Kron: In den meisten Fällen handelt es sich um sporadische Erkrankungen ohne erkennbare genetische Ursache. Wichtige Risikofaktoren sind Rauchen, chronischer Alkoholkonsum, Übergewicht sowie wiederkehrende Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Genetische Formen, bei denen mehrere Familienmitglieder betroffen sind, kommen deutlich seltener vor.

 

Warum wird die Erkrankung oft erst spät erkannt, speziell die sporadische Form?

Limani: Pankreastumoren verursachen oft lange keine spezifischen Beschwerden. Frühe Symptome wie Gewichtsverlust oder allgemeine Schwäche sind unspezifisch; Schmerzen treten meist spät auf. Ein Hauptwarnzeichen ist schmerzlose Gelbsucht, ausgelöst durch einen Tumor im Pankreaskopf – dieses Symptom erscheint jedoch häufig erst im fortgeschrittenen Stadium.

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Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es grundsätzlich?

Kron: Die Behandlung von Pankreaskarzinomen ist multimodal und umfasst Chirurgie, Chemotherapie und bei Bedarf Strahlentherapie. Ziel ist es, den Tumor chirurgisch zu entfernen oder – bei fortgeschritteneren Stadien – sein Wachstum zu kontrollieren. Die Operation ist die zentrale Voraussetzung für eine potentielle Heilung. Eine Chemotherapie vor oder nach der OP verbessert das Ergebnis, ihr Stellenwert hängt vom Stadium ab. Diese Entscheidungen treffen wir gemeinsam im interdisziplinären Tumorboard. Am Kantonsspital Aarau arbeiten verschiedene Fachbereiche zusammen, um die Therapie nach aktuellen weltweiten Standards sicherzustellen und jeden Fall ausführlich und individuell zu prüfen.

 

Wann ist eine Operation möglich?

Kron: Die Entscheidung zur Operation hängt von drei Faktoren ab: Erstens zeigt die Bildgebung, ob der Tumor gemäss anatomischen Kriterien operabel ist. Zweitens geben biologische Marker Hinweise auf die Tumorbiologie. Die Kombination aus diesen Faktoren entscheidet über die Notwendigkeit einer vorgängigen Therapie. Drittens muss der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten oder der Patientin eine grosse Operation zulassen.

Limani: Die Möglichkeit einer Operation beim Pankreaskarzinom hängt vom Krankheitsstadium ab: Man unterscheidet resektable, grenzwertig («borderline») resektabel – bei denen zunächst eine Chemotherapie erfolgt – lokal fortgeschrittene sowie metastasierte Befunde. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen wird interdisziplinär im Tumorboard getroffen.

Pankreasoperationen gelten in der Schweiz als hochspezialisierte Eingriffe und sind nur an bestimmten Zentren möglich. Dank moderner und zunehmend minimalinvasiver Verfahren, darunter Robotertechnik, sind sie heute sicherer und ermöglichen kürzere Aufenthalte im Krankenhaus bei gleichbleibender Behandlungsqualität.

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PD Dr. Përparim Limani während einer Operation mit Robotertechnik.

Stichwort Chemotherapie: Welche Optionen – einschliesslich klassischer Chemotherapie oder moderner, zielgerichteter Substanzen – stehen zur Verfügung?

Kron: Die chirurgische Tumorentfernung ist der zentrale Bestandteil im kurativen Therapiekonzept. Studien belegen, dass eine neoadjuvante Chemotherapie je nach Tumorstadium Vorteile bieten kann. Sie dient zur Reduktion der Tumorgrösse und kann die Operabilität des Tumors verbessern. Im Anschluss an die Operation folgt meist eine zusätzliche adjuvante Chemotherapie. Kehrt der Tumor nach einer Operation zurück, berät das Tumor-Board erneut über geeignete Optionen wie Chemotherapie oder Strahlentherapie. Diese Behandlungsformen kommen insbesondere auch bei Menschen zum Tragen, die für eine Operation nicht fit genug sind.

 

Welche Nebenwirkungen treten bei der Chemotherapie häufiger auf und wie kann man sie lindern?

Limani: Die Chemotherapie ist eine Kombination von mehreren Substanzen. Aktuell wird häufig das sogenannte Folfirinox-Schema – bestehend aus vier Wirkstoffen – eingesetzt. Es kann verschiedene Nebenwirkungen verursachen, wie zum Beispiel Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall, eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte oder Nervenschäden, die sich durch Kribbeln an Händen und Füssen – der sogenannten Polyneuropathie – bemerkbar machen.

Viele Nebenwirkungen lassen sich behandeln oder vermeiden, etwa durch Medikamente, Anpassung der Dosis oder zusätzliche Therapien. Eine regelmässige Kontrolle durch medizinische Onkologen ist unerlässlich, um Beschwerden früh zu erkennen und schnell zu therapieren.

 

Gibt es neue hoffnungsvolle Therapien?

Limani: Es gibt zunehmend Hoffnung und Verbesserungen für Patienten und Patientinnen. Eines unserer Hauptforschungsgebiete ist der Bauchspeicheldrüsenkrebs. Diese Tumoren sind häufig schlecht durchblutet, was sie weniger empfindlich gegenüber Chemotherapie macht. Ein Schwerpunkt liegt deshalb darauf, gezielt die Umgebung des Tumors und die Aktivität der Abwehrzellen gegen den Tumor zu beeinflussen. Unsere Forschungsgruppe arbeitet zum Beispiel gemeinsam mit dem Nobelpreisträger Professor Jean-Marie Lehn von der Universität Strassburg an einer schweizweiten multizentrischen Studie, die darauf abzielt, die Sauerstoffversorgung – die sogenannte Oxygenierung – der Tumoren zu verbessern. Eine neue Substanz, die wir testen wollen, soll dieses Problem lösen und die Wirksamkeit bestehender Chemotherapien erhöhen.

Kron: Ausserdem gibt es zahlreiche Innovationen, vor allem im Bereich minimal-invasiver Verfahren wie der robotergestützten Chirurgie. Dennoch bleiben Patienten und Patientinnen stets im Zentrum jeder Behandlung.

Wichtig ist und bleibt die rechtzeitige Diagnose und Behandlung durch ein spezialisiertes Zentrum, denn das kann die Prognose bereits verbessern.

 

Journalist: Thomas Ferber
Datum: 16.04.2026