Nebenwirkungen bei Blasenkrebs – was man wissen sollte
Neue Therapien beim fortgeschrittenen Krebs der Harnblase und der Harnleiter sind heute wirksamer und verträglicher als früher. Doch Nebenwirkungen bleiben ein wichtiges Thema. PD Dr. Omlin und Pflegefachfrau Claudia Tschudi erklären, welche Nebenwirkungen auftreten können, wie sie behandelt werden und warum das offene Gespräch so entscheidend ist.
Neue Therapien beim Blasenkrebs
Seit etwa zwei Jahren kommen beim fortgeschrittenen Blasenkrebs sowie beim Krebs des oberen Harnleiters und Nierenbeckens neue Medikamente zum Einsatz. PD Dr. med. Aurelius Omlin erklärt: «Die Kombination aus einer Immuntherapie und einem Antikörper-Chemotherapie-Konjugat ist eine gut verträgliche, gut steuerbare und äusserst wirkungsvolle Therapie.» Diese neue Kombination hat den bisherigen Standard – eine klassische Kombinationschemotherapie – abgelöst und ist sowohl besser wirksam als auch besser verträglich.
Claudia Tschudi, Pflegefachfrau & PD Dr. med. Aurelius Omlin vom Onkozentrum Zürich
Die häufigsten Nebenwirkungen
Trotzdem bleiben Nebenwirkungen ein Thema, das Betroffene beschäftigt. Die zwei häufigsten sind Hautreaktionen und eine Beeinträchtigung der Nerven. Hautreaktionen können von trockener Haut mit Juckreiz bis hin zu einem Hautausschlag und in selteneren Fällen zu schwereren Formen führen.
Die zweite relevante Nebenwirkung ist eine Neuropathie – also eine Beeinträchtigung der Nerven, vor allem in den Fingerspitzen und Zehen. Sie äussert sich durch Kribbeln, Taubheitsgefühl und teilweise Schmerzen oder Muskelkrämpfe. Seltener können auch Blutzuckerentgleisungen auftreten, und die Immuntherapie kann in Einzelfällen zu einer Autoimmunreaktion führen, bei der das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift.
Warum Nebenwirkungen so unterschiedlich ausfallen, ist eine Frage, die die Medizin noch nicht vollständig beantworten kann. «Im Vorfeld ist es sehr schwer vorauszusagen, welche Nebenwirkungen bei welcher Patientin oder welchem Patienten auftreten. Wir verstehen die individuellen Faktoren leider noch ungenügend», sagt Omlin. Umso wichtiger ist deshalb eine gute Vorbereitung.
«Ein guter Austausch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt und dem Pflegefachpersonal ist für den Erfolg der Therapie entscheidend. Wenn Nebenwirkungen auftreten, ist es wichtig, diese anzusprechen.»
Früh informieren – früh melden
Vor Therapiebeginn führt das Behandlungsteam immer ein ausführliches Gespräch, in dem Therapie und häufige Nebenwirkungen gemeinsam mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen besprochen werden. Claudia Tschudi, Pflegefachfrau am Onkozentrum Zürich, betont die Bedeutung von schriftlichen Informationen: «Weil in diesen Gesprächen viele Informationen auf einmal vermittelt werden, ist eine gute Patientenbroschüre in einfacher Sprache mit Bildern sehr hilfreich. Wir geben sie beim Start der Therapie immer mit.» So können Betroffene zuhause nachlesen und wissen, wann sie sich beim Behandlungsteam melden sollten.
Dieses frühzeitige Melden ist entscheidend, besonders bei Hautreaktionen schwereren Grades, etwa wenn die Schleimhäute betroffen sind oder sich Blasen bilden. «Dann ist eine frühe Kontaktaufnahme äusserst wichtig, damit umgehend Gegenmassnahmen ergriffen werden können», so Omlin.
Was gegen Nebenwirkungen hilft
Die Möglichkeiten zur Behandlung von Nebenwirkungen sind heute vielfältig. Je nach Schweregrad kann die Therapiedosis angepasst oder das Therapieschema geändert werden. Bei Hautreaktionen können leichtere Fälle oft direkt von der Pflege betreut werden; bei schwereren Reaktionen ist eine ärztliche Konsultation oder dermatologische Mitbeurteilung nötig.
Bei Neuropathie – die häufig erst im Verlauf der Therapie auftritt – gibt es viele Massnahmen, die Betroffene selbst ergreifen können: Informationen zur Hand-und Fusspflege, Massagen zur Anregung der Durchblutung, lokale schmerzlindernde Anwendungen wie ein Schmerzöl sowie aus der Integrativmedizin der Versuch mit Akupunktur. Bei schwereren Graden muss die Therapiedosis reduziert werden, und allenfalls werden zusätzliche Medikamente eingesetzt.
Warum es sich lohnt, dranzubleiben
Die neue Therapiekombination wird länger eingesetzt als die frühere Chemotherapie: Die Immuntherapie läuft über insgesamt zwei Jahre, das Antikörper-Chemotherapie-Konjugat so lange, wie es die Verträglichkeit zulässt. «Bei dieser Erkrankungssituation, die leider eine unheilbare Situation darstellt, möchten wir eine möglichst gute Lebensqualität und eine lange Lebenszeit erreichen», erklärt Omlin. Mit gezielter Dosisanpassung lässt sich die Therapie oft über lange Zeit gut einsetzen – und das lohnt sich.
Die wichtigste Botschaft
Für Dr. Omlin und Claudia Tschudi ist eines klar: «Ein guter Austausch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt und dem Pflegefachpersonal ist für den Erfolg der Therapie entscheidend. Wenn Nebenwirkungen auftreten, ist es wichtig, diese anzusprechen.» Am Onkozentrum Zürich sind die Pflegefachpersonen speziell darauf geschult, Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und unterstützende Massnahmen einzuleiten – und geben ihr Wissen in Schulungen in der ganzen Deutschschweiz weiter.
Datum: 20.04.2026
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