Reto lebt mit Blasenkrebs
Urologischer Krebs
Erfahrungsbericht

«Hadern bringt nichts – man muss es leider nehmen, wie es ist.»

Zuerst war es die Prostata, dann die Blase: Reto lebt seit Jahren mit verschiedenen Krebserkrankungen. Statt sich verrückt zu machen, setzt er auf Vertrauen in seine Ärzte, hält an seinem Alltag fest und verliert dabei vor allem nicht seinen Humor.

Retos Geschichte

«Man muss es ein bisschen locker nehmen und darf den Humor nicht verlieren», sagt Reto und lacht. Und genau so geht er auch mit seiner Krankheit um. Tückisch an seinem Krebs sei vor allem, dass man ihn nicht spüre. «Wenn man einen Arm bricht, hat man Schmerzen – bei diesem ‹cheibe Krebs› merkt man nichts.» Manchmal habe man Glück und er werde früh entdeckt. «So wie bei mir.»

Seine erste Krebserkrankung liegt viele Jahre zurück. Damals schöpfte sein Hausarzt bei einer Prostatauntersuchung Verdacht und überwies ihn in die Klinik Hirslanden. Die Diagnose: Prostatakrebs. Für Reto war sofort klar, was zu tun ist: «Die Prostata soll gleich ganz raus».

Danach hatte er lange Ruhe, bis vor drei Jahren bei der Blase Auffälligkeiten entdeckt wurden, genauer in einem Divertikel – einer Art Ausbuchtung der Blasenwand. «Das wurde operiert, das Blasendivertikel und der Tumor entfernt.» Seither tauchen zwar immer wieder Ableger auf, etwa in der Rippe oder in der Lunge. «Aber die konnten bisher immer entfernt oder bestrahlt werden. Dann habe ich wieder Ruhe», erzählt er.

Die Blase sei aktuell sauber. Vor zwei Wochen habe man einen Lymphknoten entdeckt, der im CT-Scan «gelb aufleuchtete». Vielleicht müsse dieser bestrahlt werden. «Aber sonst habe ich gar keine Probleme», sagt Reto und lacht sein typisches Lachen.

«Ich laufe hin, lasse die Therapie in mich hineinlaufen, trinke einen Kaffee und spaziere wieder nach Hause.»

Reto

Alltag mit den Therapien

Alle drei Wochen erhält Reto nun seine Therapie, ursprünglich eine Kombination aus einer Immuntherapie und einem zielgerichteten Wirkstoff. Die Klinik liegt nur wenige Gehminuten von seinem Zuhause entfernt. «Ich laufe hin, lasse die Therapie in mich hineinlaufen, trinke einen Kaffee und spaziere wieder nach Hause.»

Die Nebenwirkungen seien zur Zeit minimal. «Am Anfang hatte ich starke Hautausschläge, dann haben wir die Therapie modifiziert, zuerst die Dosis, dann das Verabreichungsschema.» Heute erhält er nur noch die Immuntherapie allein und fühlt sich bestens.

Ab und zu schmerzten die Gelenke ein wenig, «aber das ist vielleicht auch altersbedingt», sagt er und schmunzelt. Auf Nachfrage muss er kurz überlegen, wie alt er eigentlich ist. «Ein gutes Zeichen, wenn man das Alter vergisst.» Bald wird er 75.

 

«Vom Krebs lasse ich mich nicht runterziehen»

Reto ist ein durch und durch heiterer Mensch, sprüht vor Energie und Optimismus – das konnte ihm auch der Krebs nicht nehmen. Er verbringt gerne Zeit im Garten, unternimmt kleine Ausflüge mit seiner Frau und ist ein leidenschaftlicher Lego-Fan. «Schon Tausende Franken habe ich dafür ausgegeben», sagt er schmunzelnd. Früher arbeitete er als Autoelektriker und montierte 40 Jahre lang Autoradios.

«Da braucht man etwas zum Basteln, sonst fangen die Finger an zu rebellieren.»

Reto

Vom Krebs lässt er sich nicht runterziehen. Er sage aber jedem, dass man sich frühzeitig untersuchen lassen soll. Darm, Blase, Prostata: «Je früher es entdeckt wird, desto problemloser geht die Behandlung», ist Reto überzeugt.

Ein Schock sei die Diagnose für ihn nicht gewesen, vielmehr sei er erleichtert gewesen, dass man den Blasenkrebs früh entdeckt habe. Was ihn mehr belaste: die Zeit des Wartens. «Wenn man eine Untersuchung hat und danach tagelang auf den Bescheid warten muss. Das ist wirklich Horror.»

 

Empfehlungen der Ärzte

Er nehme es insgesamt eher locker. «Man muss es nehmen, wie es ist – hadern bringt nichts.» Die Empfehlungen der Ärzte befolgt er konsequent, ebenso alle Untersuchungen. «Mehr kann ich nicht tun.» Für seine Frau sei die Situation schwieriger. Sie begleite ihn oft zu Terminen, komme jeweils mit einem ganzen Fragenkatalog. Sie wolle immer alles genau wissen und recherchiere viel, während er selbst bewusst darauf verzichte. «Für sie war die Diagnose viel schwieriger», sagt er.

Wenn ihn die Ärzte fragen, ob er noch etwas wissen wolle, hat er oft eine ganz eigene Antwort parat: «Lohnt es sich, noch Sommerpneus zu kaufen?» Typisch Reto. Der Humor helfe ihm, sagt er. Und die Unterstützung seiner Frau – ebenso wie die Betreuung im Onkozentrum bei Dr. Omlin.

Für ihn ist aber auch klar: «Wenn der Appetit weggeht, hören wir mit den Therapien auf.» Bis dahin bleibt er seiner Haltung treu – positiv bleiben, sich untersuchen lassen und handeln, wenn etwas ist.

Anna Birkenmeier
Datum: 20.04.2026