Brustkrebs BRCA positiv Paar im Wald
Brustkrebs
Forschung

BRCA-positiver Brustkrebs: Präzise und wirksamere Behandlung möglich

Brustkrebs BRCA positiv Experte Peter Dubsky

Prof. Peter Dubsky
Leiter Brustzentrum
Klinik St. Anna, Luzern

In der Schweiz erhalten jährlich rund 6350 Patientinnen die Diagnose Brustkrebs, zirka 5 – 10 % davon haben eine (Keimbahn) gBRCA Mutation. Seit vielen Jahren werden Patientinnen auf diese Mutation getestet, um familiäre Belastungen zu finden. 

Heute wird der BRCA-Test zunehmend auch zur Festsetzung der Behandlung eingesetzt, um Patientinnen noch präziser behandeln zu können.

 

Was ist eine Keimbahn BRCA-Mutation und wie kann man diese feststellen?

Prof. Peter Dubsky: BRCA-Mutationen sind vererbbare Genveränderungen. D.h. die Veränderung des Gens ist in allen Körperzellen nachweisbar. Zudem sind BRCA-Mutationen wesentliche Risikofaktoren für Brust- und Eierstockkrebs. Die BRCA-Mutation wird durch eine Blutuntersuchung festgestellt, in den USA immer mehr auch mit einem Abstrich an der Mundschleimhaut. Diese Untersuchungen werden immer einfacher und daher auch günstiger. Allerdings ist es wichtig, dass diese BRCA-Tests sehr gut mit einer ärztlichen genetischen Beratung begleitet werden (vgl. genetischer Beratungsleitfaden) und die Patientinnen mit dem Test einverstanden sind. Wird nämlich eine Mutation gefunden, kann das auf ein erhöhtes Krebsrisiko für Familienmitglieder hindeuten. Die Aufklärung und der Umgang mit diesem Wissen für betroffene Frauen sind sehr viel schwieriger als die technische Durchführung der Tests.

 

Wie hat sich der Einsatz der Keimbahn BRCA-Tests in den letzten Jahren verändert?

Dubsky: In der Vergangenheit ging es um die Abklärung des Brust- und Eierstockkrebsrisikos. Heute wird dieser Test auch zur Bestimmung einer geeigneten, zielgerichteten Therapie eingesetzt.

In der Vergangenheit ging es um die Abklärung des Brust- und Eierstockkrebsrisikos. Heute wird dieser Test auch zur Bestimmung einer geeigneten, zielgerichteten Therapie eingesetzt.

Prof. Dubsky

Welche zielgerichteten Therapien stehen für Patientinnen zur Verfügung, wenn der Test positiv ist?

Dubsky: Beim fortgeschrittenen Brustkrebs haben wir bereits seit rund fünf Jahren dafür zugelassene Medikamente. Diese können bei HER2-negativen Patientinnen mit Fernmetastasen, die in der zweiten Therapielinie eine solche BRCA-Mutation aufweisen, eingesetzt werden. Diese sogenannten PARP-Inhibitoren sind sehr wirksame Tabletten, keine Chemotherapie. Sie führen zu einem langanhaltenden, sehr guten Nachlassen der Erkrankung. Bei den meisten Patientinnen sind diese Medikamente gut verträglich und können über Jahre eingenommen werden.

Diese Präparate werden neuerdings auch beim frühen, potenziell heilbaren HER2-negativen Brustkrebs eingesetzt. Bedingung für den Einsatz ist die BRCA-Mutation in der Keimbahn sowie der Befall von mehreren Lymphknoten. Es kommen auch Patientinnen mit dieser Mutation in Frage, die nach der Chemotherapie und nach der Operation noch viel Tumorgewebe aufweisen und ein deutlich erhöhtes Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung haben. Dies bringt eine grosse Umstellung, weil jetzt viel mehr Patientinnen für den BRCA-Test in Frage kommen.

 

Was ist der Vorteil dieser Therapien?

Dubsky: Beim fortgeschrittenen Brustkrebs, wenn die antihormonelle Therapie nicht mehr wirkt oder beim triple-negativen Brustkrebs, hatten wir bislang sehr wenige Behandlungsalternativen. Wir konnten dann nur noch mit einer weiteren Chemotherapie eingreifen. Wenn wir nun bei diesen Patientinnen eine BRCA-Mutation entdecken, dann ist es wie ein Aufatmen. Denn diese Frauen können wir jetzt mit den PARP-Inhibitoren behandeln. Das ist ein grosser Vorteil, weil die Patientinnen somit keine Chemotherapie benötigen. Dies wirkt sich auf eine vorteilhaftere Lebensqualität aus und der Behandlungserfolg ist langanhaltend, nicht nur über Monate, sondern teils über Jahre.

Beim frühen Brustkrebs, wo die Heilung im Vordergrund steht, können aggressive Tumoren oder solche mit mehrfachem Lymphknotenbefall ein erhöhtes Risiko bedeuten. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Behandlungsmöglichkeiten bekommen diese Frauen bei einer BRCA-Mutation auch noch die PARP-Inhibitoren über ein Jahr. Damit ist das Risiko von Fernmetastasen deutlich geringer geworden. Es gibt bereits Daten, die belegen, dass das Gesamtüberleben verbessert wird.

Brustkrebs BRCA positiv Bild

Und HER2-positive Patientinnen?

Dubsky: Sie können auch eine BRCA-Mutation aufweisen, doch erhalten Sie auch ohne PARP-Inhibition bereits viele effektive Therapielinien. Damit ist es medizinisch meist nicht notwendig, noch einen PARP-Hemmer zu geben.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Keimbahn BRCA-Test?

Dubsky: So früh wie möglich. Somit kann der Test vor dem Behandlungsbeginn beim frühen Brustkrebs eingesetzt werden und beim fortgeschrittenen Brustkrebs, wenn vorgängige Behandlungen nicht mehr wirksam sind.

 

Ihr Fazit:

Dubsky: Es ist wichtig auseinanderzuhalten: Der Test dient einerseits seit vielen Jahren der Beratung, wenn eine familiäre Belastung durch eine BRCA-Keimbahnmutation besteht. Heute wird der Test auch zur Festsetzung der Behandlung eingesetzt. Damit ist die BRCA-Mutation zu einem Biomarker geworden, der auf die einzusetzende Therapie hinweist. Es handelt sich um eine Gruppe von Patientinnen, die nun sehr präzise behandelt werden kann. Das ist definitiv eine gute Nachricht für unsere Mammakarzinom Patientinnen.

Journalist: Thomas Ferber
Datum: 21.06.2023