Darmkrebs Operation
Darmkrebs
Therapien

Moderne Operations­methoden bei Darm­krebs

Darmkrebs Experte Andreas Rickenbacher

PD Dr. med. Andreas Rickenbacher
Facharzt für Chirurgie, speziell für Viszeralchirurgie
Chair des zertifizierten Darmkrebszentrums an der Klinik Hirslanden in Zürich  

Die Darmkrebschirurgie hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt: minimalinvasive und robotergestützte Präzisionschirurgie ermöglicht heute schonende und gleichzeitig hochpräzise Eingriffe. Im Gespräch mit Viszeralchirurg PD Dr. med. Andreas Rickenbacher. 

Dr. Rickenbacher, wann ist eine Operation bei Darmkrebs notwendig oder sinnvoll?

PD Dr. Rickenbacher: Bei Darmkrebs ist die Operation in den meisten Fällen der wichtigste Bestandteil der Behandlung und oft die einzige Therapie mit kurativem, also heilendem Ergebnis. Sie ist in der Regel notwendig, wenn der Tumor auf den Darm begrenzt ist und wenn sich eine vollständige Entfernung des Tumorgewebes erreichen lässt. Dabei wird der betroffene Darmabschnitt zusammen mit den zugehörigen Lymphknoten entfernt, um eine möglichst vollständige Tumorkontrolle zu erreichen. Auch bei bestimmten fortgeschrittenen Situationen kann eine Operation sinnvoll sein, etwa zur Entfernung von Metastasen oder zur Behandlung von Komplikationen wie Darmverschluss oder Blutungen. Die Entscheidung wird im zertifizierten Darmkrebszentrum der Klinik Hirslanden immer individuell im interdisziplinären Tumorboard getroffen und gemeinsam die beste Behandlungsstrategie festgelegt unter Berücksichtigung der Patientenbedürfnisse.

 

Welche Rolle spielt das Tumorstadium bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation?

Rickenbacher: Das Tumorstadium ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Therapieplanung. In frühen Stadien steht die Operation meist im Vordergrund und kann allein ausreichend sein. In fortgeschritteneren Stadien wird die Operation häufig mit weiteren Therapien kombiniert, etwa mit einer Chemotherapie, einer Immuntherapie oder bei Enddarmtumoren mit einer Bestrahlung vor der Operation. Ziel dieser sogenannten neoadjuvanten Therapie ist es, den Tumor zu verkleinern und die Chancen für eine vollständige Entfernung zu verbessern. Auch bei metastasiertem Darmkrebs kann eine Operation unter bestimmten Voraussetzungen Teil eines individuellen Behandlungskonzeptes sein.

Neben der Tumorentfernung spielt die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten eine wichtige Rolle in der modernen Darmkrebschirurgie.

PD Dr. Rickenbacher

Welche Operationsmethoden kommen heute zum Einsatz?

Rickenbacher: Heute kommen dazu drei etablierte Operationsmethoden zum Einsatz. Neben der klassischen offenen Operation über einen grösseren Bauchschnitt, welche nur noch in seltenen Fällen nötig ist, werden zunehmend minimalinvasive Verfahren eingesetzt, bei denen über kleine Zugänge mit Kamera und speziellen Instrumenten operiert wird. Dazu gehören die laparoskopische Chirurgie sowie die robotergestützte Chirurgie. Letztere stellt eine Weiterentwicklung der minimalinvasiven Technik dar und ermöglicht besonders präzises Arbeiten im Bauchraum. Ich verwende insbesondere bei der Enddarmchirurgie die robotergestützte Technik. In der Klinik Hirslanden stehen uns dafür die neuesten Da-Vinci-Modelle zur Verfügung.

 

Welche Rolle spielt der Da-Vinci-Roboter bei Darmkrebsoperationen? 

Rickenbacher: Robotergestützte Systeme wie das Da-Vinci-Operationssystem sind ein hochentwickeltes Instrument, das vom Chirurgen gesteuert wird. Der Roboter operiert also nicht selbstständig, sondern überträgt die Bewegungen der Operateur*in mit sehr hoher Präzision auf die Instrumente im Körper. Für den Chirurgen bietet das System eine stark vergrösserte dreidimensionale Sicht sowie Instrumente mit einer Beweglichkeit, die über die Möglichkeiten herkömmlicher minimalinvasiver Instrumente hinausgeht. Dadurch lassen sich komplexe Operationsschritte deutlich kontrollierter durchführen. In der modernen Darmkrebschirurgie hat sich die Robotik deshalb zu einer wichtigen Ergänzung entwickelt, welche für mich unverzichtbar geworden ist.

 

Welche Vorteile bietet die robotergestützte Chirurgie insbesondere im Enddarm?

Rickenbacher: Die Chirurgie des Enddarms ist technisch besonders anspruchsvoll, weil der Eingriff tief im kleinen Becken stattfindet, wo oft nur sehr wenig Platz für präzise chirurgische Bewegungen vorhanden ist. Robotergestützte Systeme wie das Da-Vinci-System bieten hier entscheidende Vorteile. Die dreidimensionale hochauflösende Sicht und die sehr beweglichen Instrumente ermöglichen ein präzises Arbeiten auch in engen anatomischen Verhältnissen. Dadurch können wichtige Nervenstrukturen, die für Blasen- und Sexualfunktion verantwortlich sind, besser geschont werden. Gleichzeitig bleibt der Eingriff minimalinvasiv, was für viele Patientinnen und Patienten mit weniger Schmerzen, kleineren Narben, einer schnelleren Erholung und kürzeren Spitalaufenthalten verbunden ist. Diese Technologie eröffnet die Möglichkeit, auch komplexe Enddarmoperationen mit hoher Präzision und onkologischer Sicherheit durchzuführen.

Viele Eingriffe können heute minimalinvasiv durchgeführt werden, was mit weniger Schmerzen, kleineren Narben und kürzeren Spitalaufenthalten verbunden ist.

PD Dr. Rickenbacher

Wie können sich die Patienten auf die Operation vorbereiten?

Rickenbacher: Eine gute Vorbereitung kann den Verlauf der Operation und die Erholung danach positiv beeinflussen. Dazu gehören unter anderem eine gute, proteinreiche Ernährung, ausreichend Bewegung und der Verzicht auf Rauchen. Wir arbeiten in der Klinik Hirslanden mit strukturierten perioperativen Programmen, also mit Massnahmen vor, während und nach der Operation.

 

Was sollten Patientinnen nach einer Operation wissen?

Rickenbacher: Nach der Operation steht zunächst die Erholung im Vordergrund. Viele Patientinnen und Patienten können und sollen bereits früh wieder aufstehen, essen und sich bewegen, was die Genesung unterstützt. In den ersten Wochen kann es vorübergehend zu Veränderungen der Verdauung kommen, etwa zu häufigeren Stuhlgängen oder zu einer veränderten Stuhlgewohnheit. Das hängt aber stark von der Lokalisation des Darmtumors ab. Während dies am Dickdarm deutlich seltener auftritt, beobachten wir das nach einer Enddarmoperation häufiger. Die Verdauung stabilisiert sich aber in den meisten Fällen mit der Zeit. 

Anstrengende sportliche Aktivitäten und schweres Heben sollten in den ersten Wochen nach der Operation vermieden werden. 

 

Wie sieht die Nachsorge aus? 

Rickenbacher: Nach einer Darmkrebsoperation ist eine strukturierte Nachsorge sehr wichtig. Sie dient dazu, mögliche Rückfälle frühzeitig zu erkennen und die langfristige Gesundheit der Patientinnen und Patienten zu überwachen. Dazu gehören regelmässige Kontrollen mit Blutuntersuchungen, bildgebenden Verfahren sowie Darmspiegelungen in festgelegten Abständen. Die spezifische Nachsorge richtet sich nach dem Tumorstadium und dem individuellen Risiko sowie den persönlichen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten.

Zur Person

PD Dr. med. Andreas Rickenbacher ist Facharzt für Chirurgie mit Spezialgebiet Viszeral- und Kolorektalchirurgie im Zentrum vivévis an den Hirslanden Kliniken Zürich und der Hirslanden Klinik Aarau sowie Chairman des zertifizierten Darmkrebszentrums der Klinik Hirslanden in Zürich.

Weitere Informationen: PD Dr. med. Andreas Rickenbacher | Hirslanden-Gruppe

Kontakt: andreas.rickenbacher@vivevis.ch

Journalist: Stefan Müller
Datum: 31.03.2026