Brustkrebs
Betroffenenbericht

Glücklich, trotz Brust­krebs­metastasen

2011 wurde bei Mari Brustkrebs diagnostiziert. Die Prognosen waren gut, und doch stellten die Ärzte ein Jahr später Metastasen fest. Trotz dieser niederschmetternden Diagnose hat sie nie ihre positive Lebenseinstellung verloren.

Mari das Stehauffrauchen

Den Knoten in ihrer linken Brust hatte Mari kurz vor ihrem 50. Geburtstag ertastet. Jedes Jahr ging sie zu Ultraschall und Mammografie, immer war alles in Ordnung. «Als ich vierzig war, hatte ich bereits einen gutartigen Knoten in der linken Brust. Ich machte mir deshalb nicht allzu grosse Sorgen und wollte erst einmal meinen Geburtstag richtig feiern», erinnert sich Mari. Die Biopsie des Knotens, einige Wochen später, brachte dann die Diagnose Brustkrebs. Eine erste brusterhaltende Operation war nicht erfolgreich, zu viele Krebszellen wurden noch nachgewiesen.

«Mir geht es gut und ich geniesse mein Leben in vollen Zügen».

Mari

Was folgte war eine zweite, über achtstündige Operation, bei der die gesamte Brust entfernt und anschliessend plastisch rekonstruiert wurde. Im ersten Moment ist Maris Welt damals zusammengebrochen, gleichzeitig dachte sie: «Weg ist weg. Wenn die Brust weg ist, ist auch der Krebs weg.»

Was für ein fataler Irrglaube das war, musste sie einige Zeit später feststellen. Mari erzählt, dass sie immer ihre positive Einstellung behielt, sich nie im Internet über ihre Krankheit informierte und ihren Ärzten volles Vertrauen schenkte. Die Brust wurde bestrahlt und Mari wurde mit Anti-Hormonen behandelt. Eine Chemotherapie war laut ihres Onkologen unnötig. Alle weiteren Untersuchungen waren in Ordnung, der Krebs schien besiegt. Doch dann, gut ein Jahr nach der Diagnose, entdeckt Mari unter ihrer Haut mehrere seltsame Knötchen. Sowohl der Hausarzt wie auch der Onkologe, der Chirurg und die Gynäkologin beruhigten und meinten: «Das sind nur Fettknötchen. Machen Sie sich keine Sorgen».

Mari und Ehemann Nicola

Die Knötchen wurde immer mehr, Mari spürte, dass etwas nicht in Ordnung ist und beharrte darauf, dass diese genauer untersucht werden. Resultat: Hautmetastasen. «Die Diagnose zog mir den Boden unter den Füssen weg, vorallem war ich enttäuscht von den Ärzten». Doch Mari wäre nicht Mari, wenn sich nicht ihr unbändiger positiver Lebenswille kurz nach dem ersten Schock durchgesetzt hätte: «Ich bin ein Stehauffrauchen, das ist einfach mein Naturell», lacht sie. Nach dieser Enttäuschung hat Mari zu anderen Ärzten gewechselt, bei welchen sie sich nun gut aufgehoben und wohl fühlt.

Neben den Hautmetastasen zeigten sich auch Metastasen in den Knochen, diese wurden mit Anti-Hormonen behandelt und stabilisierten sich. 2016 folgte dann die nächste Hiobsbotschaft: Der Tumor hatte nun auch die rechte, bislang gesunde Brust befallen. Es folgte wiederum eine Operation, gleichzeitig wurden die Eierstöcke entfernt. Und, als wäre das nicht genug, zeigten sich nun auch Metastasen in der Leber, eine Chemotherapie war unumgänglich.

Auf die erste Chemo reagierte Mari allergisch, eine zweite war erfolglos, aktuell ist sie nun an der dritten Chemotherapie. Ob sie wirkt, ist noch unklar.

 

 

Kein Tabuthema

Trotz alldem sagt Mari, dass es ihr gut geht und wohl niemand denken würde, dass sie metastasierenden Brustkrebs hat. «Natürlich habe auch ich meine schwierigen Momente, das gehört dazu.» Gleichzeitig lebt sie ihr Leben so, wie sie es vorher gelebt hat: «Ich arbeite noch immer 50 Prozent, habe meine Familie und inzwischen sechs Enkel. Ich geniesse jeden Moment und jeden Tag. Ich darf ganz ehrlich von mir behaupten: Ich bin glücklich und es geht mir gut.» Mari würde sich denn auch wünschen, dass allgemein mehr über das Tabuthema `metastierender Brustkrebs` gesprochen wird. «Man weiss sehr wenig darüber, bis es einem dann selbst trifft».

Autorin: Anna Birkenmeier