Krebs Haarausfall: Es gibt viele Möglichkeiten
Für alle
Betroffenenbericht

Glatze, Perücke oder Cappio – eine persönliche Entscheidung

Caroline und Monica haben beide in Folge der Chemotherapie ihre Haare verloren. Während für Monica eine Perücke nie in Frage gekommen wäre, war für Caroline sofort klar: «Ohne Perücke gehe ich nicht aus dem Haus». Ihren persönlichen Weg mit dem Haarverlust umzugehen, haben beide gefunden.

Caroline trägt am liebsten Perücke

Die Diagnose Brustkrebs war für die damals 28-jährige Caroline ein Schlag, wurde doch ihr Knoten in der Brust anfänglich als nicht verdächtig eingestuft. «Noch während ich das Wort Chemotherapie hörte, ging bei mir der Film ab – Haarverlust, Glatze, Stoppeln. Für mich als Coiffeuse ein Drama», erinnert sich Caroline. Umgehend liess sie sich von einer spezialisierten Coiffeuse beraten und gab eine Echthaarperücke in Auftrag. Eine blonde, lang Mähne bis zur Brust wurde es, der Caroline einen persönlichen Schnitt verpasste. «Als ich die Perücke zum ersten Mal anprobierte, kamen mir die Tränen. Ich konnte mir bis zu diesem Moment nicht vorstellen, dass ich tatsächlich meine Haare verlieren werde», so Caroline. Die Realität hatte sie eingeholt und ihr kam eine verrückte Idee: «Solange ich noch Haare hatte, wollte ich etwas Ausgefallenes damit anstellen. Schliesslich hatte ich ja nichts zu verlieren», erinnert sie sich.

Caroline überraschte also ihr Team mit der Ansage, dass sie mit ihren Haaren anstellen dürfen, was sie wollen. «Das Ergebnis war ein knallpinker Bob mit Pony – ich habe ausgesehen wie Randensalat. Aber wir hatten unseren Spass», lacht sie. Zwei Wochen nach der Chemo begannen ihr die Haare auszugehen und überall lagen «pinke Fäden» herum, wie Caroline es beschreibt. «Es war ein komisches Gefühl, aber ich begann es mit Humor zu nehmen und dachte mir: Dann ist es halt so, Hauptsache ich bin danach gesund.» Ihre Kollegen solidarisierten sich mit ihrem zunehmenden Haarverlust und rasierten sich alle die Haare. Im Gegensatz zu ihren Kollegen, kam bei Caroline nach der Rasur aber umgehend ihre blonde Haarpracht zum Einsatz. «Ich habe Spass daran gefunden, die Perücke unterschiedlich zu stylen, mal gelockt, mal glatt, ich habe sie gehegt und gepflegt und damit wohl auch den gefürchteten Juckreiz verhindert », so Caroline.

Krebs Haarausfall: Caroline trägt Perücke

Caroline mit ihrer pinken Mähne vor dem Haarverlust

Monica fühlte sich mit Cappio am wohlsten

«Perücken? Nein danke! Alleine der Gedanke daran sorgt bei mir für Juckreiz», sagt hingegen die 62-jährige Monica. Mit Glatze wollte sie sich aber auch nicht in der Öffentlichkeit zeigen, weshalb ihr die sogenannten Cappio Kopfbedeckungen genau recht kamen. «Ich wurde im Brustzentrum auf das Angebot aufmerksam gemacht und habe sofort gewusst, dass diese Mützen perfekt für mich sind», erinnert sich die modeaffine Schaufensterdekorateurin. Denn, nebst dem praktischen Aspekt, sind sie für Monica auch zu einem modischen Accessoire geworden. «Ich kann sie je nach Kleidung kombinieren und habe inzwischen eine ganze Sammlung von Mützen», erzählt sie. Um anzufügen: «Obschon ich gerne auf dieses Accessoire verzichtet hätte».

Kurz vor ihrem 60. Geburtstag erhielt Monica die Diagnose Brustkrebs: «Es war ein Schock und ich bin ins Bodenlose gefallen. In meiner Familie gibt es keine Krebsfälle, meine Eltern sind beide über 90 geworden und waren immer gesund. Eine Brustkrebsdiagnose zu meinem 60. Geburtstag – was für ein Pech!» In der Folge musste sie sich einem 6-wöchigen Chemozyklus mit anschliessender Operation unterziehen. «Bereits nach der der 2. Chemo hat mein Haarverlust begonnen; sie sind mir büschelweise ausgegangen. Ruedi, mein Mann, hat mir dann einen Kurzhaarschnitt verpasst», erinnert sich Monica. Sie empfand den Verlust ihrer Haare als einschneidend, als Verlust ihrer Weiblichkeit – zugleich blickte sie nach vorne und wollte das Beste aus ihrem «neuen» Erscheinungsbild machen. Dazu gehörte sowohl für Caroline wie auch für Monica das tägliche Schminken und Pflegen. «Einschneidender als der Kopfhaarverlust habe ich den Verlust meiner Augenbrauen und Wimpern erlebt. Das Gesicht verliert an Konturen», sagt Caroline. Dem kann Monica nur beipflichten und betont: «Es ist mir wichtig gut auszusehen, mich wohl zu fühlen und mir Gutes zu tun. Insbesondere während meiner Krankheit haben das tägliche Schminken und Pflegen einen wesentlichen Beitrag zu meinem Wohlbefinden geleistet».

Krebs Haarausfall: Monica trägt ein Cappio

Monica fühlte sich am wohlsten mit einem Cappio von Kopfrausch

Kopfrausch

Romina ist seit ihrem 14. Lebensjahr selbst von der dauerhaften Haarlosigkeit durch Alopecia Areata (Kreisrunder Haarausfall) betroffen. Deswegen hat sie Kopfrausch gegründet. Kopfrausch hat es sich zur Aufgabe gemacht, betroffene Menschen zu unterstützen und ihnen den Weg der Veränderung bei vorübergehendem oder dauerhaftem Haarverlust zu erleichtern. Zudem setzen sie sich täglich für die Enttabuisierung der Glatze bei Frau und Mann ein.

Finanzielle Unterstützung

Die schweizerische Invalidenversicherung (AHV/ IV) bietet eine finanzielle Unterstützung für Betroffene, die einen Haarersatz und / oder Gesichtsepithesen benötigen. Hierzu zählen auch jegliche Arten von Kopfbedeckungen, Pflegeprodukte für den Haarersatz, sowie Echthaar-Augenbrauen. Mit der Bestätigung der AHV/IV-Stelle erhält man eine sogenannte NIF-Identifikationsnummer und hat damit einen jährlichen Anspruch auf den Bezug von Haarersatzprodukten (Perücken, Pflegeprodukte und Kopfbedeckungen), im Wert von bis zu CHF 1500.–.

www.kopfrausch.ch

Journalistin: Anna Birkenmeier