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Brustkrebs
Erfahrungsbericht

Shared Decision Making – Muriel setzt sich durch

Muriel hat Nein gesagt. Nein zur vorgeschlagenen Variante der Chemotherapie, die für sie zu viele Risiken und Nebenwirkungen mit sich gebracht hätte. Nein zu Empfehlungen, die für sie nicht stimmig waren. Und Nein dazu, Entscheidungen über ihre Gesundheit aus der Hand zu geben.

Wie Muriel es geschafft hat, gemeinsam mit den richtigen Fachpersonen eine Behandlung zu finden, die wirklich für sie passt, erzählt sie hier.

 

Gemeinsame  Entscheidungen

Muriel hat Nein gesagt

Muriel ist eine aufgeschlossene Frau, eine Macherin, die Energie und Tatkräftigkeit ausstrahlt. Sie war viele Jahre im Gesundheitswesen tätig, unter anderem in der Medizintechnik und im IT-Bereich. Privat ist sie sportlich, aktiv und viel unterwegs. Als sie im Mai 2022 selbst einen Knoten in der Brust entdeckt und die Diagnose Brustkrebs erhält, wird ihr Alltag abrupt unterbrochen.

Tiefgreifende Entscheidungen über die Behandlung stehen bevor. «Zuerst hiess es Mastektomie, kurz darauf erfuhr ich, dass auch Chemotherapie und Radiotherapie notwendig sind», so Muriel. Für sie ist von Anfang an klar, dass sie bei allen Therapieentscheidungen involviert sein möchte. Die Kontrolle zu haben, gibt ihr Sicherheit.

«Es geht um meine Gesundheit, um mein Leben – die Entscheidung liegt bei mir, nicht bei einem Arzt oder sonst jemandem»

Muriel

Informiert entscheiden statt passiv folgen

Muriel beginnt, sich intensiv zu informieren: Sie liest Fachliteratur, Broschüren der Krebsliga, spricht mit anderen Betroffenen und stellt gezielt Fragen. Ärztinnen und Ärzte liefern Fachwissen – doch die Abwägung will sie selbst vornehmen: «Ich bin eine Geschäftsfrau und es gewohnt, Entscheidungen zu treffen: Informationen sammeln, analysieren und dann entscheiden. Genau so bin ich auch mit meiner Gesundheit umgegangen.»

Die Mastektomie ist ein grosser Einschnitt für sie. Schnelle Entscheidungen müssen her, was in dieser Situation nicht einfach ist. Aber Muriel hat sich gut informiert und kommt für sich zu einem Entschluss, nachdem sie entsprechend Vor- und Nachteile abgewogen hat, sich Bildmaterial zeigen liess und sich über Operationsdauer, Risiken und mögliche Langzeitfolgen informiert hat: «Ich entschied mich für einen Brustaufbau mit Eigengewebe anstatt eines Silikonimplantats. Zudem suchte ich Alternativen zur standardmässigen Entfernung der Lymphknoten in meiner linken Achsel, um das Risiko eines Lymphödems zu mindern. Ich wollte selbst bestimmen, welche Risiken ich eingehe. Für mich war der Erhalt einer guten Lebensqualität ausschlaggebend», betont Muriel.

Entscheidend ist für sie auch die Wahl des Chirurgen: Sie holt mehrere Meinungen ein und sucht gezielt nach einem Spezialisten, der diese komplexe Technik regelmässig durchführt.

Brustkrebs Muriel

Muriel hat sich intensiv informiert und überall mitentschieden

Therapie und der Mut zum Widerspruch

Später steht die Chemotherapie an – ein weiterer Punkt, an dem Muriel nicht einfach zustimmt. Nachdem sie erfährt, dass die empfohlene Chemotherapie potenziell herzbelastend ist, verlangt sie Alternativen und holt eine Zweitmeinung ein. Ein anderer Onkologe schlägt eine gleichwertige, aber deutlich kürzere Therapie vor. Muriel entscheidet sich dafür. Sie bleibt auch bei Nebenwirkungen konsequent, nutzt etwa eine Kühlhaube gegen dauerhaften Haarverlust und bleibt während der Chemotherapie weiterhin aktiv.

 

Patientin als CEO der eigenen Gesundheit

Heute befindet sich Muriel in der Antihormontherapie, der letzten Phase ihrer Behandlung. Sie lebt weitgehend beschwerdefrei und engagiert sich als Peer bei der Krebsliga. Sie ermutigt andere Betroffene, sich zu informieren und Empfehlungen zu hinterfragen. Ihr Fazit fasst sie in einer klaren Metapher zusammen: «Wir Patienten sind CEOs unserer Gesundheit. Wir sammeln Informationen, werten diese aus und orchestrieren Experten, also die Ärzte, um zu guten Ergebnissen zu gelangen.»

Muriels Weg zeigt: Shared Decision Making bedeutet, dass medizinische Entscheidungen nicht allein von Fachpersonen getroffen werden, sondern gemeinsam und auf Augenhöhe mit den Patientinnen, wobei letztere sich informieren und Verantwortung übernehmen. Für Entscheidungen, Prioritäten und Risiken – und für eine Therapie, die nicht nur medizinisch sinnvoll ist, sondern auch zum eigenen Leben passt

Podcast-Staffel: Shared Decision Making

In drei Folgen beschäftigen sich Sandra und Nadine tief gehend mit dem Thema Shared Decision Making.

Sie sprechen mit zwei Experten, besuchen ein Tumorboard und zeigen, wie du SDM konkret in deiner eigenen Behandlung anwenden kannst – damit du bei Therapieentscheidungen informiert und auf Augenhöhe mit deinem Behandlungsteam agierst.

Muriels ganze Geschichte gibt es dort ebenfalls ausführlich zu hören.

Link zur Podcaststaffel


Datum: 16.04.2026