Das Aderhautmelanom – oftmals stiller Beginn mit später Metastasierung
Das Aderhautmelanom entwickelt sich im Inneren des Auges und bleibt oft lange unbemerkt. Dr. Egle Ramelyte spricht über Symptome, Metastasierungsrisiken und aktuelle Behandlungsmöglichkeiten.
Dr. Ramelyte, was ist ein Aderhautmelanom und wie unterscheidet es sich vom Hautmelanom?
Dr. Ramelyte: Das Aderhautmelanom ist eine bösartige Tumorerkrankung, die von der Aderhaut des Auges ausgeht. Es handelt sich bei Erwachsenen um die häufigste Form eines primären Tumors im Augeninneren, ist jedoch insgesamt eine seltene Erkrankung. Wie beim Hautmelanom entsteht der Tumor aus pigmentbildenden Zellen (Melanozyten), die beiden Erkrankungen unterscheiden sich jedoch deutlich im Ort, den Risikofaktoren und im Verlauf der Erkrankung.
Welches sind die Symptome des Aderhautmelanoms?
Ramelyte: Die Mehrheit der Patientinnen und Patienten bleibt oft lange symptomlos; das Aderhautmelanom wird häufig im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt. Gelegentlich treten Sehstörungen wie Verschwommensehen, Lichtblitze oder verzerrte Linien auf. Schmerzen sind selten und typischerweise erst bei fortgeschrittenem Tumorwachstum oder Komplikationen wie einer Netzhautablösung zu beobachten.
Wie hoch ist das Risiko für Metastasen beim Aderhautmelanom?
Ramelyte: Das Metastasierungsrisiko beim Aderhautmelanom ist gegenüber anderen Tumorformen vergleichsweise hoch. Etwa 50 % der Betroffenen entwickeln im Krankheitsverlauf Metastasen, wobei die Leber in rund 90 % der Fälle bevorzugt betroffen ist. Weitere Metastasierungen können in Lunge, Haut oder Knochen auftreten. Der Zeitpunkt der Metastasierung kann variabel sein und erst mehrere Jahre nach Diagnosestellung erfolgen, im Gegensatz zum Hautmelanom, bei dem dies überwiegend innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre geschieht.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es heute beim metastasierten Aderhautmelanom?
Ramelyte: Man unterscheidet zwischen lokalen und systemischen Verfahren. Lokale Therapien umfassen operative Eingriffe sowie Radiotherapie und dienen vor allem der Kontrolle einzelner Metastasen. In Fällen mit multiplen Lebermetastasen kann eine isolierte Leberperfusion mit hochdosierter Chemotherapie zur Lebensverlängerung eingesetzt werden. Systemische Therapien variieren je nach individuellen Voraussetzungen. Wie beim Hautmelanom, ist bei Patienten mit Aderhautmelanom oft die Immuntherapie die erste Wahl. Insbesondere für Patientinnen und Patienten mit positivem HLA-A0201-Status stehen zielgerichtete Immuntherapien zur Verfügung, die eine gezielte Aktivierung des Immunsystems ermöglichen. Die Bedeutung der klassischen Chemotherapie nimmt beim Aderhautmelanom weiter ab.
Welche Bedeutungen haben Nachsorge und Betreung in spezialisierten Studienzentren?
Ramelyte: Die Nachsorge beim Aderhautmelanom ist aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und der unspezifischen Symptomatik besonders wichtig. Regelmässige Kontrolluntersuchungen sollten individuell angepasst und engmaschig durchgeführt werden. Die Betreuung durch spezialisierte Zentren sowie der Zugang zu klinischen Studien sind essenziell, da diese neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen können.
Dieser Beitrag wurde unterstützt durch einen unabhängigen Grant von Immunocore. Die Interviewpartnerin ist unabhängig. Der Sponsor hatte keinen Einfluss auf den Inhalt.
Datum: 21.04.2026