Nebenwirkungen bei der chronisch myeloischen Leukämie
Blutkrebs
Nebenwirkungen

CML – auch leichte Neben­wirkungen immer an­sprechen

PD Dr. Jeroen Goede ist Experte für Blutkrebs und chronisch myeloische Leukämie

PD Dr. med. Jeroen Goede
Co-Departementsleiter Medizin und
Chefarzt Medizinische Onkologie und Hämatologie
GZO Spital Wetzikon

Mit der Therapie der chronisch myeloischen Leukämie (CML) wird heute eine praktisch normale Lebenserwartung erzielt. Damit auch die Lebensqualität optimal erhalten bleibt, ist die erfolgreiche Behandlung von Nebenwirkungen wichtig. Dies gelingt, wenn in der Sprechstunde regelmässig auch die Nebenwirkungen diskutiert werden.

Im  Gepsräch  mit  Dr. Goede

Dr. Goede, welche Rolle spielt die Lebensqualität heute in der Behandlung der CML?

PD Dr. Goede: Die Lebenserwartung von Patientinnen und Patienten mit CML entspricht heute jener der Allgemeinbevölkerung. Der Fokus liegt daher zunehmend auf der Lebensqualität während der Therapie, da es sich oft um eine langfristige, teils chronische Behandlung handelt. Ziel ist eine möglichst unmerkliche Integration der Therapie in den Alltag, sodass die Betroffenen keine wesentlichen Einschränkungen erfahren. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, bereits leichte Nebenwirkungen anzusprechen, da diese das Wohlbefinden beeinträchtigen können.

 

Welche Nebenwirkungen belasten Betroffene im Alltag am häufigsten?

Goede: Häufige Nebenwirkungen umfassen Symptome wie Hautausschläge, Juckreiz, gastrointestinale Beschwerden (z.B. Übelkeit oder Durchfall), sowie Ödeme, etwa geschwollene Augenlider oder Wassereinlagerungen in den Beinen. Fatigue stellt eine schwerwiegendere Nebenwirkung dar, die erheblichen Einfluss auf die Alltagsbewältigung nehmen kann. Auffällig ist, dass insbesondere leichte Nebenwirkungen selten von den Patientinnen und Patienten selbst thematisiert werden.

Chronisch myeloische Leukämie und die Nebenwirkungen bei der Behandlung der CML

Warum sprechen Betroffene nicht darüber?

Goede: Viele Betroffene akzeptieren aus ihrer Sicht leichtere Nebenwirkungen, weil sie froh über die Behandlungsmöglichkeiten und das positive Ansprechen der Therapie sind. Sie sehen diese Beschwerden als normal an und sind oft zurückhaltend, sich zu beschweren. Ärzte sollten darum aktiv mögliche Nebenwirkungen ansprechen.

 

Wie häufig sind Nebenwirkungen?

Goede: Das ist individuell sehr unterschiedlich. Manche vertragen ein Medikament problemlos, andere benötigen einen Wechsel, weil langfristig Nebenwirkungen auftreten. So unterschiedlich wie die Menschen sind auch ihre Erfahrungen mit der Therapie.

 

Weshalb ist es wichtig, auch « kleinere» Beschwerden früh zu thematisieren?

Goede: Sie sind meist nicht gefährlich, mindern aber langfristig die Lebensqualität. Ziel ist ja nicht nur eine erfolgreiche Behandlung der CML, sondern wir haben auch die Möglichkeit, eine optimale Lebensqualität zu erreichen. Darum müssen Nebenwirkungen immer besprochen werden, auch leichtere.

 

Was raten Sie Betroffenen, damit Gespräche über Nebenwirkungen mit dem Behandlungsteam wirklich gelingen?

Goede: Ich empfehle, ein Tagebuch zu führen oder Symptome aufzuschreiben, das ist sehr sinnvoll. Doch auch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte müssen gezielt im Gespräch nach dem Alltag fragen, um Probleme und Nebenwirkungen zu erkennen.

«Ziel ist jetzt, die Lebensqualität bestmöglich zu erhalten. Das kann sehr gut gelingen, wenn über die Nebenwirkungen gesprochen wird.»

PD Dr. Jeroen Goede

Welche Möglichkeiten gibt es, Nebenwirkungen zu lindern oder zu behandeln?

Goede: Aktuell stehen sechs verschiedene Medikamente zur Behandlung der CML zur Verfügung. Durch Dosisanpassungen oder einen Wechsel des Präparats lassen sich die meisten Nebenwirkungen effektiv kontrollieren und eine individuell optimale Therapie erreichen. Während manche sofort gut zurechtkommen, benötigen andere mehr Zeit, um eine verträgliche Behandlungsoption zu finden.

 

Gibt es Fälle, bei denen Betroffene ihre Medikamente u n regelmässig einnehmen, etwa wegen Nebenwirkungen?

Goede: Ja, das kommt vor. Ständige Nebenwirkungen können dazu führen, dass die Einnahmen ausgelassen werden. Wir bezeichnen das als mangelnde Adhärenz. Das ist oft eine Frage des Krankheitsverständnisses. Wer sich gut informiert fühlt, sucht nach Lösungen, ohne die Therapie zu gefährden. Ist das Verständnis für die Krankheit schlecht, nimmt die Adhärenz ab, das heisst, die Tabletten werden eher einmal ausgelassen oder vergessen. Daher empfehle ich allen Betroffenen, bei Unsicherheiten und Fragen ihr Behandlungsteam zu kontaktieren.

 

Was ist Ihre wichtigste Botschaft an CML-Betroffene im Umgang mit Nebenwirkungen?

Goede: Die CML ist heute so gut behandelbar, dass die Verträglichkeit mehr in den Fokus rückt. Früher stand die Heilung im Mittelpunkt, heute haben CML-Betroffene eine normale Lebenserwartung. Ziel ist jetzt, die Lebensqualität bestmöglich zu erhalten. Das kann sehr gut gelingen, wenn über die Nebenwirkungen gesprochen wird.

 

  • FA-11634307/03.2026
Thomas Ferber
Datum: 23.04.2026