Magenkrebs Prähabilitation Rehabilitation
Magenkrebs
Therapien

Schlüssel zur Genesung: Prä­habili­tation, Ope­ration und Nach­therapie als Einheit

Prähabilitation und Rehabilitation sind zentrale Bausteine in der Behandlung von Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs. Wer körperlich, seelisch und ernährungsmedizinisch gut vorbereitet in die Therapie geht und danach gezielt begleitet wird, hat bessere Voraussetzungen, Belastungen zu bewältigen und in den Alltag zurückzufinden.

Magenkrebs Prähabilitation Rehabilitation

Prof. Dr. med. Martin Bolli
Chefarzt Viszeralchirurgie
Luzerner Kantonsspital

Warum sind Prähabilitation und Rehabilitation für den Behandlungserfolg so wichtig?

Prof. Bolli: Prähabilitation ist die geistige, körperliche und auch ernährungsbezogene Vorbereitung auf eine bevorstehende Behandlung, in meinem Bereich häufig auf eine Operation. Rehabilitation meint dagegen die Phase danach: die Erholung, die Genesung und die Rückkehr in den Alltag. Beide Phasen gehören zusammen, weil der Behandlungserfolg nicht nur von der Operation selbst abhängt, sondern auch davon, wie gut jemand vorbereitet ist und wie konsequent die Erholung danach unterstützt wird. Die zentralen Pfeiler beider Phasen sind körperliche Aktivität (Kondition, Ausdauer und Muskelkraft), Ernährung sowie psychologische Unterstützung. Patientinnen und Patienten werden dabei von einem Team aus Fachpersonen der Onkologie, Physiotherapie, Ernährungsberatung und weiterer Disziplinen unterstützt. All das muss in das gesamte Behandlungskonzept eingebettet sein.

 

Welche Rolle spielt die Ernährung vor der Operation?

Bolli: Eine gute Ernährung vor der Operation ist wichtig, weil die gesamte Behandlung den Körper stark belastet. Gerade bei grossen Bauchoperationen hilft ein stabiler Ernährungszustand die Operation besser zu verkraften, die Wundheilung zu unterstützen und schneller wieder mobil zu werden. Entscheidend ist nicht nur das Gewicht, sondern auch der Erhalt von Muskelmasse. Wenn Patientinnen und Patienten möglichst gut ernährt und körperlich stabil in die Operation gehen, kommen sie danach oft rascher auf die Beine und haben weniger Komplikationen, etwa Lungenentzündungen oder Heilungsprobleme.

 

Was ist an Bewegung und Training realistisch – auch während einer Therapie?

Bolli: Ich empfehle, sich regelmässig kleine Etappen vorzunehmen, statt zu grosse Ziele zu setzen. Während einer Therapie kann es bereits sehr wertvoll sein, die vorhandene Grundkondition zu halten und keinen Rückschritt zu machen. Wenn Defizite bestehen, kann man versuchen, diese Schritt für Schritt zu verbessern. Sinnvoll sind realistische Ziele: kurze Spaziergänge, wiederholte Bewegungsrunden, einfache Übungen mit dem eigenen Körpergewicht oder leichten Gewichten und ein behutsamer Aufbau von Kraft und Ausdauer.

Ich erkläre Betroffenen, dass diese zusätzlichen Monate der Therapie eine Investition in die Zukunft sein können.

Prof. Martin Bolli

Wie kann man sich mental auf Operation und Therapie vorbereiten, und welche Rolle spielen Angehörige dabei?

Bolli: Mental hilft es, wenn Patientinnen und Patienten die einzelnen Behandlungsschritte verstehen und akzeptieren können. Gespräche über Therapieentscheidungen sollten möglichst gemeinsam mit den Angehörigen stattfinden. Angehörige können ausserdem unterstützen, indem sie zuhören, motivieren, bei Spaziergängen begleiten, beim Einkaufen und Kochen helfen oder einfach gemeinsam essen.

 

Stichwort Rehabilitation: Was sind die grössten Herausforderungen bei Ernährung und Kraftaufbau, und wie hilft die Reha dabei?

Bolli: Die grössten Herausforderungen nach einer Operation sind oft das Essen und die körperliche Schwäche. Viele Patientinnen und Patienten haben lange keinen Appetit und müssen sich regelrecht zum Essen motivieren. Gleichzeitig kann es bei grossen Bauchoperationen sein, dass aufgrund der veränderten Anatomie nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen werden. Dann braucht es ergänzende Massnahmen, zum Beispiel hochkalorische Nahrung, zusätzliche Substanzen oder vorübergehend auch künstliche Ernährung. Dazu kommt die körperliche Erschöpfung, nur schon das Aufstehen aus dem Bett kann ein Kraftakt sein. Die Mobilisation muss Schritt für Schritt erfolgen.

 

Stichwort Therapietreue: Warum ist sie wichtig?

Bolli: Wenn nach der Operation nochmals eine Therapie empfohlen wird, dient sie meist dazu, die Prognose langfristig zu verbessern. Das ist aus meiner Sicht ein wichtiger Motivator: Die Therapie kann einen positiven Einfluss auf Lebensdauer und Lebensqualität haben. Deshalb erkläre ich Betroffenen, dass diese zusätzlichen Monate eine Investition in die Zukunft sein können. Gerade bei jüngeren Menschen oder bei Patientinnen und Patienten mitten im Leben, mit Familie oder Kindern, kann der Wunsch, noch möglichst viel gemeinsame Zeit zu haben, eine starke Kraft sein. Aber auch bei Betroffenen, die noch den Lebensabend geniessen möchten, kann diese Perspektive helfen, sich noch einmal zu motivieren und die Therapie durchzustehen.

Magenkrebs im Fokus

Warum sind Prähabilitation und Rehabilitation gerade bei Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs besonders wichtig?

Bolli: Bei diesen Krebsarten ist die Behandlung häufig lang und belastend. Viele Patientinnen und Patienten erhalten zunächst eine systemische Therapie, danach folgt eine grosse Operation und oft nochmals eine systemische Therapie. Diese Behandlung über mehrere Monate kostet viel Substanz. Deshalb ist es entscheidend, möglichst gut vorbereitet zu starten, Gewicht und Muskelmasse zu erhalten und den Ernährungszustand aktiv zu stabilisieren. Gerade bei Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs können Probleme beim Essen, Mangelernährung und Gewichtsverlust zentrale Risikofaktoren sein. Prähabilitation und Rehabilitation helfen, diesen Belastungen besser zu begegnen.

 

Welche Bedeutung hat die Ernährung in dieser Phase, besonders nach einer Teilentfernung oder Entfernung des Magens oder der Speiseröhre?

Bolli: Die Ernährung hat einen sehr grossen Einfluss. Wichtig sind einfache Grundregeln: langsam essen, gut kauen, kleine Mahlzeiten zu sich nehmen und dafür mehrmals am Tag essen. In den ersten Monaten nach der Operation ist schon viel erreicht, wenn es gelingt, das Gewicht einigermassen zu halten. Man muss nicht sofort den Anspruch haben, rasch wieder zehn Kilo zuzunehmen. Entscheidend ist zunächst, dass der Körper genügend Energie bekommt und sich an die neue Situation anpassen kann.

Dieser Beitrag wurde von Leben mit Krebs im Auftrag und auf Kosten von AstraZeneca erstellt. Der Interviewpartner ist unabhängig.

Journalist: Thomas Ferber
Datum: 08.10.2026