Lungenkrebs Untersuchungen Therapieentscheid: Ein Mann auf einer Haengebruecke
Lungenkrebs
Expertenbericht

Welche Unter­suchungen braucht es für den richtigen Therapie­entscheid bei Lungen­krebs?

Prof. Dr. med. Martin Früh
Stv. Chefarzt / Leitung Fachbereich Onkologie
Kantonsspital St. Gallen

Es gibt mehrere Arten von Lungenkrebs welche jeweils mit verschiedenen Therapieansätzen behandelt werden. Um die beste Therapiemöglichkeit für jeden Patienten zu finden, braucht es eine Reihe von Untersuchungen. Prof. Früh vom KSSG gibt im Videointerview einen Überblick, welche für den richtigen Therapieentscheid durchgeführt werden.

Untersuchungen

Basisdiagnostik

Zunächst wird die Krankengeschichte der Patienten erhoben, ob Familienangehörige an Lungenkrebs erkrankt sind, ob die Patientin geraucht hat und wann welche Symptome neu aufgetreten sind. Daraufhin folgen körperliche und bildgebende Untersuchungen. Im Röntgenbild können Tumoren am Rand der Lunge ab einer Grösse von einigen Millimetern erkannt werden. Eine Computertomographie (CT) gibt zudem ein Bild der Situation.

 

Bestimmung der Ausbreitung

Mit der PET CT Untersuchung können Tumoren und deren Ausbreitung genauer bestimmt werden. Dabei wird eine radioaktiv markierte Zuckerlösung gespritzt. In den Zellen mit höherem Stoffwechsel, was unter anderem bei Krebszellen der Fall ist, reichert sich mehr Zucker an. Das wird dann auf den PET CT Bildern als intensiver gefärbte Zone sichtbar. Ergänzend muss ein MRI des Kopfs erstellt werden, da Hirnmetastasen beim PET CT nicht verlässlich gefunden werden können. Dies weil der Stoffwechsel von Zucker im Hirn höher ist und daher das ganze Gehirn intensiv gefärbt auf dem PET CT erscheint.

 

Diagnosesicherung

Wenn man nach den bildgebenden Untersuchungen einen Tumor vermutet, wird eine Gewebeprobe des Tumors entnommen. Dies geschieht entweder durch eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung über die Luftröhre) oder durch eine transthorakale Feinnadelaspiration. Dabei werden mit einer sehr dünnen Hohlnadel, welche durch die Haut am Brustkorb eingeführt wird, Zellen oder Gewebe entnommen. In manchen Fällen wird die Gewebeprobe mittels Thorakoskopie entnommen, wobei durch einen kleinen Schnitt zwischen den Rippen ein Instrument zur Probenentnahme eingeführt wird.

Lungenkrebs Untersuchungen Therapieentscheid: Bronchoskopie

Entnahme von Gewebe durch eine Bronchoskopie

Untersuchung der Gewebeprobe

In einem spezialisierten Labor wird das entnommene Gewebe untersucht. Werden Krebszellen gefunden, kann zwischen gut- und bösartigen Tumoren unterschieden werden. Zudem werden die Untergruppen des Lungenkrebses analysiert: Ist es ein kleinzelliger Lungenkrebs oder ein nicht-kleinzelliger Lungenkrebs. Diese Unterscheidung ist essenziell, da sich die Therapien der beiden Formen stark unterscheiden.

 

Genetische Untersuchungen

Auf genetischer Ebene wird geprüft, ob eine Treibermutation sowie das PD-L1 Protein vorhanden sind. Folgende Genveränderungen treten am häufigsten auf:

  • EGFR Mutation Bei ca. 10 – 15% der Patient*innen tritt eine Mutation des epidermal growth factor receptor – EGFR – auf. Patient*innen mit dieser Mutation sprechen häufig besser auf zielgerichtete Therapien (Tabletten) an und eine Chemotherapie lässt sich dadurch als erste Behandlungsoption vermeiden.
  • ALK Fusion Die ALK Genfusion ist ca. halb so häufig wie EGFR und tritt vermehrt bei jüngeren Patient*innen auf.
  • Seltene genetische Veränderungen Es gibt viele weitere genetische Veränderungen. Diese sind in der Regel noch seltener und treten nur bei ca. 1–3% der Betroffenen auf. Um diese zu finden, wird ein sogenanntes Gen-Panel erstellt.

Die Therapieentscheidung liegt am Ende jedoch immer bei den Patienten.

Therapieentscheid

Die Resultate aller Untersuchungen werden in einem Tumorboard diskutiert und basierend auf Richtlinien wird ein individueller Therapievorschlag gemacht. Die Therapieentscheidung liegt am Ende jedoch immer bei den Patienten. Gut aufgeklärte Patienten können dazu beitragen, gemeinsam mit dem Arzt die beste individuelle Entscheidung zu treffen. Dabei hilft es, wenn Patienten bei den Untersuchungen und den Diskussionen zum Therapieentscheid aktiv Fragen stellen und mit dem Arzt zusammenarbeiten. Dies vereinfacht die Arbeit des Arztes und kommt letztlich dem Patienten zugute

Journalistin: Sandra Huber
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